Kolumne Frauensache: Von eitlen Gockeln und mutigen Frauen

Kolumne Frauensache : Von eitlen Gockeln und mutigen Frauen

Während in den USA eine Senatorin wie ein echter Kerl durch stundenlanges Reden ein Gesetz verhindert, giften sich in Deutschland zwei Nachrichtenmoderatoren an wie die Waschweiber. Genug, meine Herren!

Es war die Woche der Worte, der bedeutenden und der unnützen. In den USA hat die Senatorin Wendy Davis zwölf Stunden durchgeredet und den ideologischen Missbrauch von Macht angeprangert, um ein Gesetz zu verhindern, das Frauen eine Abtreibung erschwert. In Deutschland haben die Nachrichtenmoderatoren Jan Hofer und Marc Bator mit dem Boulevard geredet und sich gegenseitig der Lüge bezichtigt, um sich wichtigzumachen.

Wendy Davis hat wie ein Kerl filibustert, Hofer und Bator haben wie Waschweiber getratscht. Weil am Anfang das Wort und nicht das Geschwätz war, geht es hier zu Beginn um Wendy Davis. Die Demokratin hat mit ihrem Redefluss die Frauenrechte gegen den republikanischen Machismo verteidigt. Den Machismo einer Partei, deren Vertreter im Wahlkampf einmal behauptet haben, eine Abtreibung sei selbst nach einer Vergewaltigung weder richtig noch nötig. "Wenn es sich um eine echte Vergewaltigung handelt, hat der weibliche Körper Möglichkeiten, die ganze Sache abzustellen", hatte Todd Akin 2012 gesagt, als er sich um den Senatssitz in Missouri bewarb. Akin meinte, der psychologische Stress wirke als biologische Empfängnisverhütung. Im Umkehrschluss heißt das: Wird eine Frau schwanger, kann es keine Vergewaltigung gewesen sein.

In Texas wollten die Republikaner nun das Abtreibungsgesetz verschärfen, so dass die meisten Kliniken, die solche Eingriffe durchführen, hätten schließen müssen. Frauen, die abtreiben wollen, wären in die Illegalität gezwungen worden. Wendy Davis hat dieses Gesetz verhindert, indem sie redete, bis die Abstimmungsfrist verstrichen war. (Eine Methode, die sich übrigens auch für innereheliche Debatten eignet und bei der Frauen im Vorteil sind. Denn: Ein Mann, ein Wort. Eine Frau, ein Wörterbuch. Ich bin leider mit einem Politiker verheiratet. Da gilt: Eine Frau, ein Wörterbuch. Ein Politiker, ein Brockhaus.)

Um Worte beziehungsweise nicht gesagte Worte ging es auch bei den Nachrichtensprechern Hofer und Bator. Letzterer beklagte nach seinem Wechsel von der "Tagesschau" zu Sat.1 öffentlich, er habe sich in seiner letzten Sendung nicht vom Publikum verabschieden dürfen. Daraufhin sagte Hofer, Chefsprecher der "Tagesschau", Bator sei ein Lügner. Woraufhin Bator sagte, Hofer sei nicht nur ein Lügner, sondern auch ein Heuchler. Ein gockelhafter Streit ums letzte Wort. Deshalb lege ich den beiden Herren die letzten Worte eines klugen Mannes ans Herz: "Es reicht", sagte Immanuel Kant, bevor er diese Erde verließ.

(RP)
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