Kolumne: Frauensache: Von Ampelmännchen zu Ampelfrauen

Kolumne: Frauensache : Von Ampelmännchen zu Ampelfrauen

Kommunalpolitiker in Dortmund haben entschieden, den Straßenverkehr durch eine Frauenquote für Ampeln geschlechtergerechter zu machen.

Bezirksvertreter in Dortmund zu sein, das ist bestimmt kein Spaß: die Stadtkasse ist leer, der Schuldenberg hoch. Da kann man als Lokalpolitiker nicht viel gestalten, keine neuen Schwimmbäder eröffnen, keine Jugendzentren einweihen, keine frisch sanierten Straßen begehen.

Vielleicht wollten Grüne und Sozialdemokraten der Bezirksvertretung Innenstadt-West nur ihrem Gestaltungswillen Ausdruck verleihen, zeigen, dass sie trotz Geldmangels an einer besseren Gesellschaft arbeiten; vielleicht ist ihnen aber auch nur langweilig gewesen, als sie entschieden, den Straßenverkehr durch eine Frauenquote für Ampeln geschlechtergerechter machen zu wollen. "Durch die Gleichstellung von Frau und Mann ist eine teilweise Umrüstung von regulären Ampelmännchen zu Ampelfrauen folgerichtig", heißt es im rot-grünen Antrag.

Ampelfrauen im Namen der totalen Gleichberechtigung - das ist totaler Unsinn. Ähnlich wie durch Frauenquoten für Straßennamen verkommt so ein großes gesellschaftspolitisches Thema durch bürokratischen Regelungswahn zur Provinzposse. Die Ampelfrau jedenfalls wird nichts daran ändern, dass Frauen in den Führungsetagen deutscher Unternehmen noch immer an eine gläserne Decke stoßen, für gleiche Arbeit noch immer weniger Geld bekommen als Männer und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf noch immer als Frauenproblem abgetan wird. Was die Ampelfrau sehr wohl schafft, ist das Image von Quotenregelungen als Schikane des entspannten Miteinanders der Geschlechter zu festigen.

Aber nehmen wir Grüne und SPD aus Dortmund für einen Moment ernst und folgen ihrer Argumentation, dass für die Gleichstellung der Dresscode der Ampelfigur - Rock oder Hose - von Bedeutung ist. Seit 1994 steht im Grundgesetz: "Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin." Liebe Grüne, liebe Sozialdemokraten, wenn die Ampelfrau tatsächlich eine folgerichtige Konsequenz der Gleichstellung ist, seid ihr echte Spätzünder, denn eure Politik wäre dann nicht der Zeit voraus, sondern ihr 20 Jahre hinterher.

Zumindest den Grünen sind nun Zweifel gekommen: Sie fürchten, dass sich nicht jede Frau in einer Ampelfigur mit Rock und Zöpfen wiederfinden könnte. Deshalb halten sie eine geschlechtsneutrale Figur für vernünftig. Sieht so aus, als würden sich in Dortmund gerade ein paar Bezirkspolitiker zum (H)ampelmännchen machen.

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(RP)