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Sigmar Gabriel als moderner Vater – nur eine Show?

Frauensache : Gabriel als moderner Vater – nur eine Show?

Mit Berichten über den Beckenring der beim Skifahren verunglückten Kanzlerin verhält es sich wie mit Wagners Ring des Nibelungen – auf die Inszenierung kommt es an.

Mit Berichten über den Beckenring der beim Skifahren verunglückten Kanzlerin verhält es sich wie mit Wagners Ring des Nibelungen — auf die Inszenierung kommt es an.

Beckenring, Mariechen und Homosexualität im Profifußball — das sind die Themen, die Zeitungen und Nachrichtensendungen in den vergangenen Tagen gefüllt haben. Die Kanzlerin stürzt im Skiurlaub unglücklich und bricht sich den Beckenring an. Sicher, dieser "Pofalla" — wie Merkels Sturz auf Twitter genannt wird — ist von öffentlichem Interesse, schließlich wird die Kanzlerin in den kommenden Wochen das Bett statt das Kabinett hüten. Der Frage nachzugehen, wie sich das auf die Regierungsgeschäfte auswirkt, ist daher ein journalistischer Auftrag.

Die Masse an Beiträgen über den menschlichen Knochenbau waren dann aber doch zu viel des Guten: Artikel wie "Der Beckenring verbindet die Beine mit dem Rumpf und besteht aus mehreren Knochen" oder "Bei einem Beckenringbruch ist eine ärztliche Untersuchung des gesamten Beckenbereichs erforderlich" sind doch eher etwas für die Apothekenrundschau. Denn mit Berichten über den Beckenring der Kanzlerin verhält es sich wie mit Wagners Ring des Nibelungen — auf die Inszenierung kommt es an.

Inszeniert hat sich auch Sigmar Gabriel: Einmal die Woche werde er seine zweijährige Tochter Marie aus der Kita abholen, sagte er der "Bild". Seine Worte verfehlten ihre Wirkung nicht, so mancher Kommentator feierte den SPD-Mann als Prototyp der neuen Väter. Wie viel Zeit Gabriel und Mariechen tatsächlich miteinander verbringen, ob er während der Heimfahrt am Handy hängt, während Mariechen sich auf dem Kindersitz langweilt, ob er zu Hause Unterlagen bearbeitet, während Mariechen allein in ihrem Zimmer spielt, ob er am Abendbrottisch die Termine der kommenden Tage durchgeht, während Mariechen "abgefüttert" (O-Ton Gabriel) wird, das wissen nur Sigmar Gabriel und seine Tochter.

Helmut Kohls Sohn hat das Buch "Leben oder gelebt werden" geschrieben, in dem er seine Kindheit mit einem ewig abwesenden Vater aufarbeitet. Vielleicht schreibt Mariechen ja in 30 Jahren ein Buch mit dem Titel "Füttern oder abgefüttert werden", das davon erzählt, was für ein Typ Vater Sigmar Gabriel tatsächlich gewesen ist.

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Ein toller Typ ist Thomas Hitzlsperger, der sich als erster prominenter Fußballer zur Homosexualität bekannt hat. Angesichts der Resonanz, die das ausgelöst hat, drängt sich eine Frage auf: Es ist nicht die Frage, wie viele Fußballprofis seinem Beispiel folgen werden, sondern wie viele homophobe Fans und Manager eigentlich in der Fußballszene unterwegs sein müssen, wenn Hitzlspergers Outing weltweit als mutige Tat empfunden wird.

Ihre Meinung? Schreiben Sie unserer Autorin: kolumne@rheinische-post.de

(RP)