Kolumne Frauensache: Regieren Männer und Frauen wirklich anders?

Kolumne Frauensache : Regieren Männer und Frauen wirklich anders?

Wie führen Frauen? Schon Sokrates dachte darüber nach und skizzierte, wie Angela Merkel einst ihr Land führen sollte. Ganz so wie ein Mann.

Gibt man bei Google als Suchbegriff "Merkel" und "Machtwort" ein, werden 61.500 Ergebnisse angezeigt. "Machtwort" in Kombination mit "Schröder" ergibt 623.000 Einträge, mit "Steinbrück" immerhin 448.000. Die Suchergebnisse suggerieren, es mache einen Unterschied, ob ein Mann oder eine Frau regiert. Der weibliche Regierungsstil gilt als moderierend und konsensorientiert, Angela Merkel hierfür als der Prototyp. Männliches Regieren wird als vorpreschend und bestimmend wahrgenommen, wie es Basta-Kanzler Gerhard Schröder in Formvollendung betrieben hat. Aber hat die Art des Regierens tatsächlich etwas mit dem Geschlecht zu tun?

Schon seit Jahrtausenden stellen Philosophen die Geschlechterfrage, zum Beispiel Platon in seiner "Politeia". Darin wird die Frau (liebe #Aufschreierinnen, bitte ruhig bleiben) mit der Schäferhündin verglichen. Sokrates fragt seinen Zuhörer, was er denn von weiblichen Schäferhunden erwarte: Sollten sie wie ihre männlichen Artgenossen ihrer Aufgabe als Hüter nachkommen, oder sollten sie in der Hütte bleiben, weil sie gebären und ihre Jungen ernähren? Sollten also die männlichen Hunde allein für die Herde Sorge tragen? "Gemeinsam", sagt der Zuhörer. "Wenn wir also die Weiber zu demselben gebrauchen wollen wie die Männer, so müssen wir sie auch dasselbe lehren", erklärt Sokrates.

Die heutigen Regierungschefinnen haben Politik nicht anders gelernt als ihre männlichen Kollegen, auch sie haben die Ochsentour hinter sich, haben ebenso Bündnisse geschlossen und Konkurrenten abgedrängt, um ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen. So hängt der Führungsstil wohl weniger vom Geschlecht als vom Typus ab.

Willy Brandt beispielsweise war ein eher merkelhafter Kanzler. Er setzte auf Charme und Pathos, weiche Faktoren, die Frauen zugeschrieben werden, aber Merkel wiederum völlig fremd sind. Die Wahrnehmung weiblicher Politik hat viel mit den Klischees in den Köpfen zu tun. Wenn etwa die Ministerinnen Ursula von der Leyen und Kristina Schröder über eine Frauenquote streiten, dann heißt das Zickenkrieg. Die Auseinandersetzung zwischen Peter Altmaier und Philipp Rösler um die Energiewende wird hingegen Machtkampf genannt.

Die Spitze der Klischeehaftigkeit ist Merkels Beiname "Mutti". Die Mutter der Kompanie, das ist die sich kümmernde, Köpfe tätschelnde, etwas tantige Anführerin. Warum Merkel all das nicht ist — Norbert Röttgen könnte davon erzählen. Oder Friedrich Merz oder Christian Wulff oder. . .

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(RP/felt)