Frauensache: Neue Stühle braucht die Frau

Frauensache : Neue Stühle braucht die Frau

Ob Heidi Klums Sendung "Germanys next Topmodel", Zwangsprostitution in der Ukraine, das Barbiehaus in Berlin oder die Unterdrückung von Frauen in Tunesien – Femen macht keinen Unterschied, es wird blank gezogen, Hauptsache eine Kamera ist in der Nähe.

Ob Heidi Klums Sendung "Germanys next Topmodel", Zwangsprostitution in der Ukraine, das Barbiehaus in Berlin oder die Unterdrückung von Frauen in Tunesien — Femen macht keinen Unterschied, es wird blank gezogen, Hauptsache eine Kamera ist in der Nähe.

Ich mag Männer mit Zukunft und Frauen mit Vergangenheit", hat Oscar Wilde einmal gesagt. In diesem Sinne werfen wir also einen Blick zurück auf die Frauen, die uns in 2013 beschäftigt haben.

Getrud Steinbrück: Sie machte die schönste und zugleich politischste Liebeserklärung des Jahres. Auf dem Parteikonvent der SPD sprach sie Klartext — eigentlich die Spezialität ihres Mannes, bis im Bundestagswahlkampf aus dem Klartext-Steinbrück der Pannen-Peer wurde. Getrud Steinbrück erzählte, wie schwer das öffentliche Niedermachen ihres Mannes für sie zu ertragen sei, dass der in den Medien beschriebene Steinbrück nichts mit dem Mann zu tun habe, den sie kenne. Das rührte nicht nur Peer Steinbrück zu Tränen, auch mancher Genosse wischte sich verstohlen am Auge.

Femen: Sie sind der Möchtegern-Wonderbra des Feminismus. Die Aktivistinnen haben sich mit ihrem Protest in der Beliebigkeit verloren. Ob Heidi Klums Sendung "Germanys next Topmodel", Zwangsprostitution in der Ukraine, das Barbiehaus in Berlin oder die Unterdrückung von Frauen in Tunesien — Femen macht keinen Unterschied, es wird blank gezogen, Hauptsache eine Kamera ist in der Nähe. Um es mit Heidi Klum zu sagen: Liebe Femen-Frauen, ich habe dieses Jahr leider kein Foto für euch.

Sylvie Meis (ehemals van der Vaart): Mehr noch als die NSA ist sie ein Fall für den Datenschutz: Nach den vergangenen zwölf Monaten braucht die Öffentlichkeit dringend Schutz vor Sylvies Privatsphäre. Wir kennen nun alle Details aus ihrem Ehe- und Seelenleben, die Mails und SMS ihrer Affären, ja sogar Sylvies bevorzugtes Manikürestudio. Es reicht. Sehr geehrte Bundesdatenschutzbeauftragte, bitte übernehmen Sie. Angela Merkel: Sie ist immer noch da — und mächtiger denn je. Nicht mehr da: Jürgen Rüttgers, Dieter Althaus, Stefan Mappus, Roland Koch, Peter Müller, Norbert Röttgen, David McAllister, Ronald Pofalla.

Alice Schwarzer: Auch sie ist immer noch da. Trotz der Aufschrei-Bewegung, trotz Femen, trotz einer jungen, netzaffinen feministischen Szene — über dem Agendasetting des Feminismus thront immer noch Alice Schwarzer wie jüngst die Debatte um Prostitution gezeigt hat. "Wenn die Schwarzer einmal nicht mehr sein sollte, weil sie sich nach Frankreich verdrückt hat oder in den Rhein gefallen ist, dann bleibt ihr Stuhl leer. Das ist nämlich der Stuhl von Alice", so Schwarzer.

In Anlehnung an Ina Deter, die einst sang "Neue Männer braucht das Land", fordere ich für 2014: "Neue Stühle braucht die Frau".

Ihre Meinung? Schreiben Sie unserer Autorin: kolumne@rheinische-post.de

Hier geht es zur Bilderstrecke: Femen protestiert bei "Markus Lanz"

(RP)
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