Frauensache: Kind und Karriere - eine Fiktion

Frauensache : Kind und Karriere - eine Fiktion

Die Politik hat zwar Infrastruktur und finanzielle Möglichkeiten geschaffen, die der Vereinbarkeit von Familie und Beruf dienen sollen. Doch an der niedrigen Geburtenzahl hat das kaum etwas geändert.

Die Venus ist der Planet des weiblichen Multitaskings, sie ist Abend- und Morgenstern zugleich. Eine Gleichzeitigkeit, die symptomatisch für die Frauengeneration von heute ist. Sie ist mit der Idee aufgewachsen, dass für sie alles möglich ist.

Im Beruf und in der Liebe, in Studium und Ausbildung und bei der Berufswahl gab es für sie keine Beschränkungen. Sie hat Auslandsjahr, Traineeprogramme und Praktika ebenso absolviert wie ihre männlichen Altersgenossen - und hat sich später ebenso selbstverständlich auf die gleichen Jobs beworben. Die Beziehung mit dem Mann an ihrer Seite führte sie auf Augenhöhe, gleichermaßen im Job engagiert, manchmal auch gestresst, die Miete wurde gleichberechtigt geteilt. Doch irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem sich die Kinderfrage stellt und die Venusfalle zuschnappt: der Zeitpunkt, an dem sich die Gleichzeitigkeit aller Möglichkeiten als Illusion erweist.

Zwar hat die Politik Infrastruktur und finanzielle Möglichkeiten geschaffen (von Kita-Plätzen bis Elterngeld), die der Vereinbarkeit von Familie und Beruf dienen sollen. Doch an der niedrigen Geburtenzahl hat das kaum etwas geändert. Einem Grund dafür, womöglich dem entscheidenden, sind die Wissenschaftler des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung auf die Spur gekommen: der Widersprüchlichkeit der in unserer Gesellschaft existierenden kulturellen Leitbilder. Da stehen das Leitbild der "idealen Erwerbstätigen", die sich im Beruf selbst verwirklicht, das der "idealen Partnerschaft", das exklusive Zeit zu zweit will, und das der "guten Mutter", die ihr Kind bestmöglich fördert, nebeneinander - und schließen sich zugleich aus.

Die gute Mutter und die beruflich erfolgreiche Frau können nicht eins werden. Denn die Ideologie der guten Mutterschaft, so die Forscher, sorgt für eine erhebliche Skepsis gegenüber Fremdbetreuung. Zumal "verantwortete Elternschaft" heutzutage ein hohes Maß an Förderung des Kindes bedeute. Dieses Familienleitbild schließt eine Berufstätigkeit beider Elternteile nahezu aus. Die Konsequenz daraus trägt nach wie vor die Frau, weil den Forschern zufolge die traditionelle männliche Rolle des Ernährers immer noch Bestand hat.

30 Prozent der zwischen 1965 und 1969 geborenen Akademikerinnen sind kinderlos. Offenbar ist für sie die Kinderfrage zu einer Entweder-oder-Frage geworden - obwohl Frauen heute alle Möglichkeiten haben. Vielleicht aber auch genau deswegen.

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(RP)