Kolumne: Frauensache : In Feierabendlaune

Das von Sigmar Gabriel propagierte "Recht auf Feierabend" sollte auch für manche Aktionen gelten, etwa für die Ice Bucket Challenge.

SPD-Chef und Vizekanzler Sigmar Gabriel fordert ein allgemeines "Recht auf Feierabend". Wie sich die Zeiten oder besser die sozialdemokratischen Lebensphilosophien ändern: War es doch Gerhard Schröder, der während seiner Kanzlerschaft den Deutschen erklärte, es gebe "kein Recht auf Faulheit". Sympathischer ist natürlich Gabriels Ansatz, denn schon die Werbemacher der Rügenwalder-Mühle wissen: "Feierabend, wie das duftet..."

Ja, Feierabend ist eine dufte Sache, und deshalb mache ich an dieser Stelle mit einem allgemeinen Recht darauf ernst.

Erstens: Ich fordere, dass Feierabend ist mit Videos von Menschen, die sich Eimer mit Eiswasser über den Kopf kippen. Ice Bucket Challenge heißt die Aktion mit der weltweit auf die Nervenkrankheit ALS aufmerksam gemacht werden soll. Anfangs noch genial ist die Eiswürfel-Nummer mittlerweile auf Promi-Big-Brother-Niveau runtergekühlt: Verona Pooth nutzt die Initiative für PR in eigener Körpersache und legt einen kleinen Strip hin, inklusive Nippelblitzer; Lilly Becker (Ehefrau von Boris Becker) nominiert mit süffisantem Grinsen die Verflossenen ihres Gatten für die Eisdusche. Mit der ursprünglichen Idee der Ice Bucket Challenge hat das nichts mehr zu tun.

Zweitens: Ich fordere, dass Feierabend ist mit dem Missbrauch der Frauenquote. Soeben wurde eine Frauenquote für den Deutschen Buchpreis verlangt, mit dem der Börsenverein des Deutschen Buchhandels seit 2005 den besten deutschsprachigen Roman des Jahres auszeichnet. Der Grund: Auf der Longlist, der ersten Vorauswahl, finden sich die Werke von 15 Männern, aber nur von fünf Frauen. Die Schriftstellerin Marlene Streeruwitz sieht schon in der Ausschreibung eine Diskriminierung, weil dort nur von Autoren, nicht aber von Autorinnen die Rede ist - "Autorinnen müssen unter der männlichen Form mitgelesen werden", kritisiert sie. Trotz dem generischen Maskulinum ist der aktuelle Roman der femininen Streeruwitz von ihrem Verlag für den Buchpreis eingereicht worden, und die nur Mitgemeinte steht nun auf der Longlist, was sie allerdings nicht davon abhält, in die Opferrolle zu schlüpfen. Das ist ebenso seltsam wie eine Frauenquote für die Preiswürdigkeit künstlerischen Schaffens - geht es doch bei der Auszeichnung um literarische und nicht um soziologische Kriterien. Ach ja, der Deutsche Buchpreis ist seit seinem Bestehen sechs Mal an eine Frau und nur drei Mal an einen Mann vergeben worden.

Drittens: Ich mache jetzt von meinem Recht auf Feierabend Gebrauch. Sie auch?

Ihre Meinung? Schreiben Sie unserem Autoren: kolumne@rheinische-post.de

(RP)
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