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Frauensache: Gute Vorsätze per Automat aus dem Internet

Frauensache : Gute Vorsätze per Automat aus dem Internet

Zum Jahresanfang soll die Kolumne "Frauensache" den Männern gehören, denn sie sind in Not. Gleichberechtigung ist zu lange falsch verstanden worden.

Mehrmals liberale Fischstäbchen küssen", "nie mehr himmlische Yoga-Gurus kraulen" — das sind die guten Vorsätze, die der Vorsatz-O-Mat mir für 2014 mit auf den Weg gegeben hat. Ich gehöre nämlich zu denen, die mit den besten Absichten ins neue Jahr starten, aber dann ziemlich schnell an der Wirklichkeit scheitern.

Für solche wie mich ist der Vorsatz-O-Mat (www.vorsatzomat.ch) eine Chance: Das mit dem Guru bekomme ich hin, und zumindest von einem Liberalen geküsst zu werden, weil ich ihm Fischstäbchen gemacht habe, ist auch drin.

Zum Jahresanfang soll die "Frauensache" den Männern gehören, denn sie sind in Not — so der aktuelle Titel der "Zeit", der eine drastische Analyse über die Verfasstheit des starken Geschlechts liefert. Zwei Drittel der Sonder- und Förderschüler sind männlich. Psychische Störungen treten bei Jungs achtmal häufiger auf als bei Mädchen. Obdachlose sind zu 75 Prozent Männer. An den Folgen von Alkoholismus sterben jährlich dreimal mehr Männer als Frauen. Zwei von drei Beziehungen werden von der Frau beendet.

Es sieht so aus, als sei nach Jahrzehnten der Frauenförderung nun die Zeit für eine Männerbewegung gekommen. Tatsächlich ist das Geschlechterverhältnis im Ungleichgewicht, weil Gleichberechtigung zu lange falsch verstanden worden ist: Frauen sollten beziehungsweise wollten wie Männer sein, und Männer sollten beziehungsweise wollten bleiben, wie sie sind.

Für Frauen war das anfangs eine Win-win-Situation: Sie konnten Karriere machen, und wenn das nicht funktionierte, gab es immer noch den Plan B: Ehefrau und Mutter sein. Denn tief im kollektiven gesellschaftlichen Gedächtnis bestanden die traditionellen Rollenbilder fort. Das ist vorbei, zumindest was den weiblichen Part angeht: Frauen müssen mittlerweile selbstverständlich beides können, Kind und Karriere. Vielleicht versuchen gerade sie deshalb, ein Stück alte Zeit zu bewahren, indem sie innerlich an der klassischen Mannversion festhalten: Versorger, Beschützer, Macher. Gerade einmal neun Prozent der Frauen befürworten das Rollenmodell "Sie geht arbeiten, er bleibt zuhause". Und genauso wenige nehmen einen Mann, der einen niedrigeren Bildungsgrad hat als sie, wohingegen 30 Prozent der Männer "nach unten" heiraten.

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Emanzipiert geht anders. Gleichberechtigung in ihrer Konsequenz ist eben mehr als nur Frauensache, sie erfordert auch die Befreiung des Mannes von überholten Klischees. Das wäre doch ein guter Vorsatz — himmlische Yoga-Gurus hin oder her.

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Hier geht es zur Infostrecke: Wie Sie gute Vorsätze durchhalten

(RP)