Frauensache: Ein letzter Rückzugsort für echte Männer

Frauensache : Ein letzter Rückzugsort für echte Männer

Bei der traditionellen Schaffermahlzeit in Bremen dürfen Männer einfach mal nur Mann sein.

In diesen Tagen haben sich wieder die Wir-wollen-auch-Frauen zu Wort gemeldet. Am Wochenende hat in Bremen die Schaffermahlzeit stattgefunden, das älteste, sich alljährlich wiederholende Brudermahl der Welt. Eine Veranstaltung mit fast 470 Jahren Tradition: Wenn die Schaffer einst zur Rechnungslegung sowie zum Ende des Winters zusammenkamen, um Abschied zu nehmen, wurde gegessen und getrunken.

Dazu luden die Schaffer ein — und tun es noch heute. Die Männer erscheinen in Frack und Zylinder — Frauen müssen draußen bleiben. Die Herrenrunde speist nach strengem Reglement. Zwischen den Gängen werden Reden gehalten, die mit einem "Hepp, hepp, hepp- Hurra" der Anwesenden zu quittieren sind. Dieses Happening ist Sandkasten-Burgen-Bauen für erwachsene Männer, eine Mischung aus Lego-Men und Karnevalssitzung.

Die Schaffermahlzeit ist zu einem gesellschaftlichen Ereignis geworden, bei dem Prominenz aus Politik und Kultur zusammenkommt. In Bremen, das außer den Stadtmusikanten nicht all zu viel Bedeutendes vorzuweisen hat, wird diese Veranstaltung daher tierisch ernst genommen. Wohl auch deshalb ist das Schaffermahl zum Schauplatz des Geschlechterkampfs geworden: Die Gleichberechtigungsbewegten in Bremen fordern, das Brudermahl auch für Brüderinnen zugänglich zu machen.

Aber muss denn im Namen der Emanzipation wirklich alles gleich gemacht, gendermäßig korrekt geregelt werden? Können wir dem männlichen Geschlecht nicht ein paar Rückzugsorte lassen, wo der Mann einfach nur Mann sein kann? Schließlich haben die Männer ordentlich Terrain hergeben müssen: Längst können die Frauen besser Fußballweltmeister als die Nationalmannschaft der Herren.

Das Kanzleramt ist fest in weiblicher Hand, während reihenweise männliche Minister über Affären und Wahlniederlagen stürzen. Eine Mutter von sieben Kindern hat das Kommando in der Bundeswehr übernommen. Die Frauenquote wird künftig das Testosteron in Deutschlands Aufsichtsräten deutlich weniger werden lassen. Da muss es doch möglich sein, einmal im Jahr eine warme Mahlzeit unter echten Kerlen zuzulassen. Einen Ort zu schaffen, an dem das Schulterklopfen und der Herrenwitz noch ein Zuhause haben. Also, liebe Schaffer, ich wünsche von Herzen Prost Mahlzeit.

Ihre Meinung? Schreiben Sie unserer Autorin: kolumne@rheinische-post.de

(RP)