Kolumne: Frauensache: Die unterhaltsame Seite der Gleichberechtigung

Kolumne: Frauensache : Die unterhaltsame Seite der Gleichberechtigung

Der Privatsender RTL schickt in der Kuppelshow "Die Bachelorette" 20 willige, attraktive Kandidaten ins Rennen um eine schöne Angebetete.

Es gibt zwei Sorten von Männern: Die einen verstehen etwas von Frauen, die anderen sind solche, die Frauen verstehen. Ich weiß nicht, welche Sorte mir verdächtiger ist", hat der Schriftsteller Stan Nadolny formuliert. Offenbar gibt es noch eine dritte Sorte, wie die gerade gestartete RTL-Kuppelshow "Die Bachelorette" zeigt: Die Sorte Mann, die weder Frauen versteht noch sonderlich viel von ihnen, dafür aber jede Menge von Körperhaarentfernung. Babypopo-glatt-gewaxte Brust, rasierte Waden und gezupfte Augenbrauen, so präsentiert sich der moderne Mann auf der Balz.

"Die Bachelorette" ist die unterhaltsame Seite der Gleichberechtigung. War es lange Zeit ein Mann, der bei RTL unter 20 willigen, attraktiven Frauen nach der großen Liebe suchen durfte, sind die Verhältnisse nun umgekehrt: Fortan darf die schöne Anna als Bachelorette unter 20 willigen, attraktiven Kandidaten wählen. Dass der Bachelor seine Rosen in einer Villa in Südafrika verteilen durfte, während Anna sich mit der Algarve zufrieden geben muss - geschenkt. Zwar fehlen diesmal wilde Tiere als Kulisse, doch ist in dem Balzverhalten der Männer durchaus Animalisches zu entdecken - wobei der Übergang vom Pavianfelsen zur Welpenaufzuchtstation fließend ist.

In Sachen Klischee jedenfalls ist auf RTL Verlass. Unter den Herzensanwärtern ist zum Beispiel der 36-jährige Italiener Alfredo, der noch in seinem Kinderzimmer bei Mama lebt, weil, wie er selbst sagt, Italiener das nun mal so machen. Oder der Pfarrerssohn Johannes, von Beruf Unfallchirurg, der alles total positiv sieht und am liebsten anderen Menschen hilft, wenn er sich nicht gerade sportlich auspowert. Und natürlich fehlt auch nicht der stofftierverschenkende, briefchenschreibende "Sex ist doof, Kuscheln ist schön"-Typus. Er wird von Maik verkörpert, der als Polizist in der norddeutschen Provinz statt Schafen die Ordnung hütet. Der Bachelorette überreicht Maik beim ersten Treffen ein niedliches Stoffkänguru, weil er Australien so gerne mag. Auf der Kirmes würde er ihr wahrscheinlich eine Plastikrose schießen und anschließend ein Lebkuchenherz mit "Schatz" in Zuckergussschrift kaufen.

Was die erste "Bachelorette"-Folge grundsätzlich über den modernen Mann verrät? Nun, er hat ein Faible für hautenge Dreiviertelhosen, ist beim ersten Date schüchtern, manchmal gar unbeholfen und kompensiert das in der Gruppe durch kernige Sprüche sowie kumpelhaftes Abklatschen. Bis auf die Hosen also alles ziemlich altmodisch. Irgendwie rührend.

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(RP)