Kolumne Frauensache: Barbie und ihr verkanntes modernes Frauenbild

Kolumne Frauensache : Barbie und ihr verkanntes modernes Frauenbild

In Berlin protestieren Frauenrechtsaktivistinnen mit nackten Brüsten und brennenden Puppen gegen das "Barbie-Dreamhouse". Dabei verkennen die Demonstrantinnen, dass die Puppe für einen selbstbewussten Typ Frau steht.

Ich mag Friseurbesuche, glitzernde Ringe, ich schminke mich, und ab und zu trage ich sogar ein rosafarbenes Oberteil. Da bin ich ziemlich mädchenhaft, und wenn ich die Expertinnen aus der Genderforschung richtig verstanden habe, ist an meinem Mädchengehabe Barbie schuld. Und nicht nur daran. Dass so viele junge Frauen sich immer noch für schlecht bezahlte Berufe wie Friseurin, Verkäuferin oder Kindergärtnerin entscheiden, geht ebenfalls auf das Konto von Barbie.

Der Barbiewahn entmutige Mädchen, technische Berufe zu ergreifen, stattdessen dränge er sie in ein überzogenes Schönheits- und Schlankheitsdenken, so die Genderforscher. Doch nun hat sich Femen, die Frauenrechtsorganisation, deren bevorzugtes Kampfmittel der nackte Busen ist, im Namen aller Mädchen an Barbie gerächt: Als vor wenigen Tagen in Berlin das "Barbie-Dreamhouse" eröffnet wurde, zündete eine barbusige Femen-Aktivistin vor dem Haus ein Holzkreuz samt daran befestigter Barbiepuppe an. Sozusagen eine Hexenverbrennung der Moderne im Namen der Emanzipation. Nur, welcher böse Geist soll den Mädchen von heute eigentlich ausgetrieben werden?

Ich hatte damals eine Herzchen-Barbie, ein Barbie-Haus und ein Barbie-Auto. Meine Barbie lebte alleine, arbeitete als rasende Reporterin und saß selbstverständlich selbst hinter dem Steuer. Manchmal kam Ken zu Besuch (den Großteil seines Daseins fristete er in einem Schuhkarton zusammen mit ein paar Schlumpffiguren), meistens aber traf sich meine Barbie mit ihren Freundinnen. Auf rosa Plastiksesseln nippten sie aus rosa Plastiktassen Kaffee und redeten über Gott und die Welt — das erste Frauen-Sit-in meines Lebens fand in meinem Kinderzimmer statt.

Das Tolle an Barbie war, sie musste nicht gewickelt, gefüttert und getragen werden. Ich musste eben nicht die kleine Puppenmutter sein, die auf dem Spielplatz den Puppenwagen schiebt, während die Jungs sich auf der Rutsche austoben. Das ist auch die Intention der Barbie-Erfinderin Ruth Handler gewesen: Sie wollte für ihre Tochter eine Puppe ohne Haititai. Eine Puppe, die nicht umsorgt werden muss, sondern die alleine klarkommt. Ein Spielzeug also, das sich gegen das Frauenklischee der fürsorglichen Kümmerin stellt. Übrigens, es gibt die Piloten-, Arzt- und Business-Barbie —, aber von einer Friseur-Barbie ist mir nichts bekannt.

Vielleicht hätten die Femen-Frauen früher öfter mit Barbies spielen sollen, dann würde ihnen heute womöglich eine klischeefreiere Protestform einfallen als nackte Brüste und brennende Puppen.

(RP/csi/jre)
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