Berliner Republik: Yin und Yang in der großen Koalition

Berliner Republik : Yin und Yang in der großen Koalition

Yin und Yang stehen für Kräfte, die sich polar einander entgegenstehen und dennoch aufeinander bezogen sind. Das Begriffspaar kannten chinesische Philosophen schon mehr als 1000 Jahre vor Christi Geburt . Die Weisen des Morgenlandes erklärten damit auch die Unterschiedlichkeit von Mann und Frau.

So alt der Gedanke vom polaren Gegensatz ist, so plausibel erscheint er auch heute noch. Denn einfach übersetzt, bedeutet Yin und Yang: Die können nicht miteinander und die können auch nicht ohne einander. Was also für manch' ein langjährig verheiratetes Paar gilt, ist auch Alltag in der großen Koalition. Die Ministerien der Bundesregierung sind so austariert, dass die Regierung stets munter zugleich an beiden Seiten eines Taus ziehen kann. Beispiel: Inneres und Recht. Das Innenministerium gehört der CDU, das Justizministerium der SPD. Die Verteilung führt dazu, dass bei Fragen der doppelten Staatsbürgerschaft oder der Vorratsdatenspeicherung in der Regierung so ziemlich alle Meinungen vertreten sind, die man zu dem Thema haben kann. In der schwarz-gelben Vorgängerregierung führte der Gegensatz zwischen Innen und Justiz sogar zum Totalstillstand in der Politik, weil man sich auf gar nichts einigen konnte. Das habe aber vor allem an der FDP-Justizministerin gelegen, heißt es im Nachhinein.

Innenminister Thomas de Maizière (CDU) und Justizminister Heiko Maas (SPD) sind da deutlich smarter im Austarieren ihres Yin und Yangs. Die traditionelle Feindschaft der Ministerien untereinander haben sie beendet. Der Justizminister kam am 60. Geburtstag des Innenministers sogar zum Überraschungsbesuch. Kompromisse zu Staatsbürgerschaft und Vorratsdatenspeicherung haben sie zudem ohne Gesichtsverluste gefunden.

Mehr Spannung liegt da im Verhältnis von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Während Steinmeier in der Ukraine-Krise den Vorzeige-Diplomaten gibt, lässt von der Leyen immer mal wieder fallen, dass man doch bitteschön die Nato-Präsenz an den Ostgrenzen des Bündnisses verstärken möge.

Was wie ein Interessenskonflikt in der Regierung aussieht, ist durchaus die höhere Schule des internationalen Yin und Yang. Steinmeier wird der internationalen Erwartung an die Deutschen gerecht, die als Russen-Versteher gelten. Von der Leyen ihrerseits erfüllt die Erwartungen der Amerikaner, die eher der Ansicht sind, dass der russische Präsident Wladimir Putin vor allem die Sprache der Machtdemonstration versteht.

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(RP)