Kolumne: Berliner Republik: Wie Familienclans Politik machen

Kolumne: Berliner Republik : Wie Familienclans Politik machen

Die Kennedys, die Bushs, die Clintons - demokratische Dynastien haben in den USA Tradition. Auch in Deutschland gibt es politische Familienclans. Sie sind aber weniger schillernd und weniger dominant.

Auf die Frage, warum sie berufstätig blieb, als ihr Mann schon Gouverneur von Arkansas war, sagte Hillary Clinton 1992 ironisch, sie hätte auch zu Hause bleiben und Plätzchen backen können. Schon damals war klar, dass diese First Lady politisch mehr sein wollte als ein Anhängsel ihres Mannes. Nun macht sie sich auf, die erste Präsidentin der Vereinigten Staaten zu werden, und würde damit die Tradition von Familien-Dynastien in der amerikanischen Demokratie fortsetzen. Aus Deutschland blicken wir staunend auf dieses Wahlkampf-System aus Spenden, Netzwerken und Abhängigkeiten.

Dabei haben auch wir eine ganze Reihe an Familienbanden in der Politik. Sie sind, wie so vieles im Vergleich mit den USA, schlicht eine Nummer kleiner, weniger schillernd und dominant, dafür aber bodenständiger und in ihrem Handeln transparenter.

Wenn man nach dem Glamour-Faktor geht, muss man in der Reihe politischer Familientradition an erster Stelle Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) erwähnen, der die politischen Kontakte ihres Vaters, des früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht, zum Start ihrer Karriere sehr halfen. Auch die Verwandtschaft ihrer Politik-Stile ist oft beschrieben worden.

Mit ihrem Vater Franz Josef Strauß sah sich immer wieder auch Monika Hohlmeier konfrontiert. Sie trat aber nie wirklich in die großen Fußstapfen des streitbaren früheren bayerischen Ministerpräsidenten. Nach ihrem Rückzug aus dem Amt der Kultusministerin wurde es still um Hohlmeier.

Ehepaare wie die Clintons finden sich nicht wirklich in unserer politischen Landschaft. Die Ehe von Alt-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) und seiner politisch ambitionierten Frau Doris Schröder-Köpf, die sich in den niedersächsischen Landtag hat wählen lassen, ist gerade zerbrochen. Dann hätten wir mit SPD-Parteibuch noch ein Finanzminister-Ehepaar zu bieten, deren Namen der breiten Bevölkerung aber nicht bekannt sind: die rheinland-pfälzische Finanzministerin Doris Ahnen und der Berliner Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen. Und die junge Michelle Müntefering, die für die SPD im Bundestag sitzt, mag von dem Namen ihres Mannes profitieren. Für ein politisches Geben und Nehmen in zwei politischen Karrieren wie bei den Clintons ist der Altersunterschied aber zu groß.

Amüsant waren auf jeden Fall immer die gemeinsamen Auftritte der Vogel-Brüder, lange bevor die Talkshow zum täglichen Brot im Fernsehen gehörte. Der eine (Hans-Jochen) mit SPD-, der andere (Bernhard) mit CDU-Parteibuch - da war die Gefahr der politischen Klassenbildung durch einen Familienclan äußerst gering.

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(RP)