Kolumne: Berliner Republik: Strauß bleibt als Zitate-Geber der CSU lebendig

Kolumne: Berliner Republik : Strauß bleibt als Zitate-Geber der CSU lebendig

Die CSU erhält sich ihr Selbstbewusstsein, ihre Streitbarkeit und ihren Hang zu provokanten Äußerungen insbesondere als ein Erbe von Franz Josef Strauß. Und darauf sind alle sehr stolz.

Es ist bemerkenswert, in welchem Ausmaß Franz Josef Strauß auch heute noch in der CSU präsent ist. Die Feiern am Wochenende zu dessen 100. Geburtstag haben dies eindrücklich bewiesen. Aber FJS, wie ihn seine Anhänger nennen, wird eben nicht nur als bedeutender früherer Parteichef, Ministerpräsident und politisches Unikum verehrt, er ist auch immer noch Stichwortgeber für die CSU-Politiker von heute.

Seine rhetorische Schärfe, die ebenso zielsicher wie eingängig war, nutzen die Bayern auch heute noch gerne, um sich und ihre Politik dem Rest der Republik zu erklären. So war es Franz Josef Strauß, der Anfang der 80er Jahre, als die Republikaner erstmals stark wurden, den Ausspruch tat, dass es rechts von der CSU keine "demokratisch legitimierte" Partei geben dürfe. Die Konsequenz für die CSU war, dass man eben auch den politisch rechten Rand in die eigene Politik einbindet.

Der Grundsatz gilt im Prinzip auch heute noch. Wenn CSU-Spitzenpolitiker mal wieder Dinge sagen, über die sich die Medienwelt empört, reibt sich ein nicht ganz so kleiner Teil der Bürger die Hände und meint: Endlich sagt es mal jemand. So kann man auch CSU-Chef Horst Seehofer vom Wochenende verstehen, als er der Kanzlerin in die Parade fuhr und ihre spontane Zusage für die Einreise tausender Flüchtlinge kritisierte.

Ein Typ wie Strauß wäre in der heutigen politischen Landschaft, in der eine rhetorische Rempelei die sozialen Netzwerke erregen und Umfragewerte abstürzen lassen können, wahrscheinlich nicht mehr erfolgreich. Auch sein Politikstil, der auf Spezl-Wirtschaft setzte, ist heute untragbar.

Wenn CSU-Politiker Strauß zitieren, was sie häufig tun, dann schwingt oft auch Sehnsucht nach der alten Zeit mit, als man noch ungestraft die Welt in Schwarz und Weiß aufteilen durfte. Kostprobe? 1965 befand Strauß: "Irren ist menschlich, aber immer irren ist sozialdemokratisch." Diesen Spruch finden sie heute noch in der CSU gut und sagen ihn ab und zu, aber eben nicht mehr öffentlich - jedenfalls nicht so lange man im Bund mit der SPD Frauenquote, Mietpreisbremse und Rente ab 63 beschließen muss. Zehn Jahre später befand der CSU-Politiker in einem Gespräch mit dem "Spiegel": "Es ist mir egal, wer unter mir Kanzler wird." So sagt das heute auch niemand mehr in der CSU, gehandelt wird aber immer mal wieder nach dieser Maxime.

Ach ja, und einer wie Strauß brauchte auch Gegner. Die hatte er schon Anfang der 80er Jahre nicht mehr. Damals befand er: "Für mich ist's gar nicht mehr schön: Der Wehner kommt nicht mehr, der Schmidt will nicht mehr, was hab' ich da noch in Bonn verloren".

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(RP)
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