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Kolumne Berliner Republik: Schwarze Ritter bei den Sozialdemokraten

Kolumne Berliner Republik : Schwarze Ritter bei den Sozialdemokraten

Die SPD zwingt mit der Drohung des Mitgliederentscheids der Wahlsiegerin CDU ein sozialdemokratisches Grundsatzprogramm auf. Die CDU sollte vielleicht mal ihre Basis befragen.

Es dürfte wohl ein bundesrepublikanisches Novum sein, dass ein amtierender CDU-Bundeskanzler sich nach einem Wahlsieg einem sozialdemokratischen Vizekanzler unterordnet. In dem Koalitionsvertrag der sogenannten großen Koalition dürfte viel Rot und wenig Schwarz zu finden sein.

Flächendeckender Mindestlohn? Na klar. Solidarrente? Warum nicht! Doppelte Staatsbürgerschaft? Haben wir doch immer gewollt. Frisches Geld für klamme Kommunen? Sicher! Leiharbeit regulieren? Machen wir! Nur lasst uns doch diese Steuererhöhungen wenigstens durch höhere Sozialabgaben ersetzen, oder? Danke, liebe SPD, für das Entgegenkommen.

Wie fröhlich die Merkel-CDU in das sozialdemokratische Wahlprogramm eintaucht, ist erstaunlich. Mit dem Instrument der Mitgliederbefragung löst die SPD geschickt Angstschweiß bei der Union aus. Und wenn die Sozialdemokraten noch ein bisschen jammern, dass die "schwarze Witwe" Angela Merkel 2009 die SPD doch fast aufgefressen hätte, dann räumt die Union den Genossen noch rasch einen weiteren Ministerposten ein.

Tut's jetzt noch weh? Und Kanzlerin Merkel fragt besorgt bei Hannelore Kraft nach, ob diese sich von einem CSU-Generalsekretär namens Alexander Dobrindt in den Verhandlungen zu hart angefasst gefühlt habe. Hallo?

Die SPD im Jahr 2013 ignoriert das Wahlergebnis und stellt munter Forderungen auf. Man fühlt sich an eine Szene aus dem Monty-Python-Klassiker "Ritter der Kokosnuss" erinnert. Der mächtige König Artus hat seinem Widersacher, dem Schwarzen Ritter, gerade sämtliche Gliedmaßen abgetrennt, als der großmütig seinem Gegenüber anbietet: "Einigen wir uns auf ein Unentschieden?"

Die CDU sollte mal ihre Basis befragen, wie sie es unter den Umständen mit einer großen Koalition hält. Vielleicht wäre das Ergebnis noch überraschender als bei der SPD.

(brö)