Kolumne: Wo ist das Sommerloch der Politik hin?

Kolumne „Berliner Republik“ : Wann gibt’s mal wieder ein Sommerloch?

Früher war darauf Verlass, dass zwischen Mitte Juli und Ende August keine relevanten Nachrichten liefen. Das hat sich geändert.

Was gab es früher prächtige Sommerlöcher, in denen uns nachrichtlich nicht viel beschäftigte außer vielleicht der Kaiman Sammy, der in einem Baggerloch ausgebüchst war, oder Problembär Bruno, der nicht lebend gefangen werden konnte. Wikipedia schreibt über das Sommerloch: „In dieser in der Regel nachrichtenarmen Zeit berichten die Medien dann auch über Ereignisse und Personen, für die sonst keine Sendezeit und kein Platz in den Zeitungen wäre, oder vermelden häufiger vermeintliche Sensationsmeldungen ohne Nachrichtenwert.“

Die beschriebene Regel gilt nicht mehr. In den vergangenen Sommern mussten wir allzu oft unsere für das erwartete Sommerloch vorbereiteten Geschichten liegen lassen und stattdessen Krisenberichterstattung machen. Man denke nur an den atemlosen vergangenen Sommer, in dem sich Flüchtlingskrise, Unionskrise, Regierungskrise, Bayernwahl, Maaßenkrise ohne Pause aneinanderreihten.

Auch für die Parlamentspause 2019, die nun schon in die zweite Woche geht, ohne dass wir einen Unterschied bemerken würden, sieht es nicht nach politischer Ruhe aus. Aufregende Tiermeldungen haben also nur geringe Chancen, eine echte Themenkarriere hinzulegen. Im Gegenteil: Die Anfragen des US-Präsidenten nach Bodentruppen in Syrien, die Kandidatur von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen als EU-Kommissionschefin, der gärende Streit um die Grundrente, der Krisen-Modus der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer, die skurrile Suche der SPD nach einer neuen Parteiführung und die anstehenden Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen dürften für einen turbulenten Sommer sorgen. Zum Glück sind die Außentemperaturen etwas gesunken, wenn schon die im Regerierungsviertel aus dem Modus Hochbetrieb nicht herauskommen.

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