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Kolumne "Berliner Republik": Langsame schnelle Welt

Kolumne: Berliner Republik : Langsame schnelle Welt

Alles wird immer schneller. Der Verkehrssektor kommt da nicht mehr hinterher.

Es wird wohl niemand der These widersprechen, dass unser Leben in den vergangenen 20 Jahren schneller geworden ist, viel schneller. Die Geschwindigkeit der Kommunikation hat dazu geführt, dass wir an einem Tag mehr erledigen, mehr Menschen treffen, mehr Termine absolvieren. Einmal abgesehen von der Frage, ob der Mensch auf dieses Tempo überhaupt ausgerichtet ist, kommt ein Sektor jedenfalls den neuen Anforderungen nicht hinterher: der Verkehr.
Während wir eigentlich immer schneller und öfter irgendwo sein müssen, warten wir auf Transport: im Stau auf der Straße, auf Bahnsteigen, in Flughafenterminals. Berlin wäre nicht Berlin, wenn es nicht auch zu diesem Problem eine politische Idee bereit hielte, die ebenso ideologisch wie unpraktikabel ist. Die dortige Verkehrssenatorin der Grünen, Regine Günther, will bis in zehn Jahren alle Verbrennungsmotoren aus der Innenstadt verbannen. Den Bannkreis soll der S-Bahn-Ring ziehen. Nur um an dieser Stelle keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ich persönlich bewege mich – bis auf einige wenige Ausnahmen im Jahr – nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Fahrrad in der Berliner Innenstadt. Ich bin davon überzeugt, dass noch viel mehr Leute ebenso handeln könnten – ohne zeitliche Einbußen. Der Vorschlag der Berliner Grünen ist dennoch unrealistisch. Binnen zehn Jahren ist eine solche Umstellung nicht zu schaffen.
Die Grünen in Berlin verfolgen auch den falschen Denkansatz: Die Fortbewegung in der Stadt muss mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Fahrrädern und meinetwegen E-Scootern so attraktiv werden, dass das Auto überflüssig wird. In einer Stadt wie Berlin ist das wirklich machbar – mit guter Politik. Der Hinweis, dass in zehn Jahren alles verboten werden soll, ist das Gegenteil von planvoller Politik.

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