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Kolumne Berliner Republik: Kanzleramt und Schwulen-Frage bei Friedrich Merz

Kolumne Berliner Republik : Kanzleramt und Schwulen-Frage

Kanzleramts-Anwärter Friedrich Merz bekommt in den sozialen Netzwerken viel Gegenwind. Mit gleich zwei unsensiblen Äußerungen hat der CDU-Politiker keine Sympathie-Punkte gesammelt.

Friedrich Merz hat mal wieder in den sozialen Netzwerken ein Tiefdruckgebiet ausgelöst. Auf die Frage, ob er Vorbehalte gegen einen schwulen Bundeskanzler hätte, antwortete er bei „Bild live“ zunächst nur mit dem Wort „Nein“. Dabei hätte er es am besten belassen sollen. Auf Nachfrage des Moderators verstieg er sich dann auf den Satz: „Die sexuelle Orientierung geht die Öffentlichkeit nichts an, solange sie sich im Rahmen der Gesetze bewegt und solange es nicht Kinder betrifft.“

Nachdem auf dem Kurznachrichtendienst Twitter eine Welle der Empörung losbrach, dass Merz in wenigen Sekunden die Assoziationskette vom schwulen Kanzler zur Pädophilie knüpfte, ergänzte sein Sprecher die Aussage mit dem Hinweis: „Das gilt also für Heteros, Homos und alle anderen.“

Ja, möglicherweise hat es Merz tatsächlich nicht so gemeint und keine Verbindung von Homosexualität und Pädophilie herstellen wollen. Passiert ist es ihm trotzdem und das ist – höflich ausgedrückt – unangemessen.

Die Äußerung zur Homosexualität war nicht die einzige, die in diesem Interview Protest hervorrief. Der Bewerber um den CDU-Vorsitz erklärte mit Blick auf die besonderen Bedingungen in Corona-Zeiten: „Wir müssen ein bisschen aufpassen, dass wir uns nicht alle daran gewöhnen, dass wir ohne Arbeit leben können.“

Vor dem Hintergrund, dass die Arbeitnehmer nicht entscheiden können, ob sie in Kurzarbeit gehen oder eben nicht und angesichts der vielen Selbstständigen die aktuell um ihre Existenz bangen, ist diese Aussage – um es noch einmal höflich auszudrücken – unsensibel.

Nun kann man aus ökonomischer Perspektive tatsächlich die Frage stellen, ob eine Verlängerung des Kurzarbeitergeldes sinnvoll ist. Man sollte dies aber nicht auf dem Rücken jener austragen, die aufgrund der Corona-Krise keine oder weniger Arbeit haben.