Kolumne "Berliner Republik": Das Berliner Personalkarussell

Kolumne „Berliner Republik“ : Das Berliner Personalkarussell

Die Wahl der EU-Kommissionsspitze könnte zum Großumbau des Kabinetts führen.

Wenn von dem berühmten Personalkarussell die Rede ist, geht mir nie das Bild eines Kinderkarussells mit Pferden, Autos und Flugzeugen aus dem Kopf. Bei diesem Karussell sind in Berlin die Lichter wieder angeschaltet und die Musik spielt. Noch ist nicht klar, wann genau sich das Fahrgeschäft in Bewegung setzt. Nur: Es wird sich drehen, gleich ob Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen die neue Chefin der EU-Kommission wird oder nicht. Denn ihren Ministerposten gibt sie in jedem Fall auf. Schon am Mittwoch. Kanzlerin Angela Merkel  muss also den Posten im Kabinett zügig nachbesetzen. Ohne dass man sich vorstellt, wie von der Leyen von dem Pferdchen absteigt und Jens Spahn seinen Krankenwagen verlässt, bei dem er so gerne die Sirene betätigt hat, hat so eine Kabinettsumbildung etwas von der Situation, dass sich alle auf den nächsten Platz schwingen und die gleichen Runden wieder drehen. Merkel neigt nicht zu großen Umbauten in der Wahlperiode. Das Verteidigungsministerium neu zu besetzen, ist aber nicht ganz einfach. Es ist das Ressort mit den größten Fallstricken und der härtesten Lobby. Gesundheitsminister Jens Spahn ist der einzige in der Union, der als Aktivposten aufgefallen ist. Er gilt als Anwärter für das Amt. Außerdem ist das Ressort dazu geeignet, ungeduldigen ehrgeizigen Politikern einen Job zu geben, der sie so beschäftigt, dass sie sich nicht mehr auf anderen Politikfeldern profilieren. Siehe von der Leyen. Merkel würde zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Da die CDU-Ministerriege zu Hälfte aus Männern und Frauen bestehen soll, müsste ins Gesundheitsministerium eine Frau nachrücken. Mit Annette Widmann-Mauz gäbe es eine Nachfolgerin, die das Steuer des Krankenwagens übernehmen könnte – auch wenn sie nicht ganz so oft die Sirene betätigt.

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