Kolumne: Berliner Republik: Ein Minister und acht Sekretäre

Kolumne: Berliner Republik: Ein Minister und acht Sekretäre

Eigentlich ist das Innenministerium zur Gefahrenabwehr da. Es birgt aber selbst Risiken.

Das Foto mit Innenminister Horst Seehofer (CSU) und seinen acht Staatssekretären war der Renner im Netz. Die neun Herren wirken aus der Zeit gefallen. Dass keine einzige Frau zur Führungsmannschaft gehört, wäre vor 50 Jahren nicht der Rede wert gewesen. Da man inzwischen weiß, dass gemischte Teams die erfolgreichsten sind,war das Fotoim Jahr 2018 ein echter Knüller.

Doch bemerkenswert ist an Seehofers Mannschaft nicht nur die homogene Zusammensetzung sondern auch die Vielzahl der Staatssekretäre. Kein anderes Ministerium leistet sich so viele Neben-Häuptlinge. Nun geht es in dem neuen Super-Ministerium von der Terrorabwehr über Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst bis zum Baukindergeld um eine breite Themen-Palette. Die hausinterne Organisation im Innenministerium stöhnt: Termine, bei denen alle Staatssekretär auf einmal gebraucht werden, sind kaum zu koordinieren. Der erst 2015 eröffnete Neubau des Innenministeriums platzt ob des Personalaufwuchses aus allen Nähten.

Es werden schon Wetten abgeschlossen, dass die Angliederung von Heimat und Bauen an das Innenministerium spätestens in der nächsten Wahlperiode wieder rückgängig gemacht wird. Den vielen Juristen im Ressort ist der Zusammenschluss mit sozial- und gesellschaftspolitischen Themen eher suspekt.

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Nun ist Seehofer - abgesehen von Paul Lücke, der in den 60er Jahren kurzzeitig für die CDU Innenminister war - der einzige Nicht-Jurist auf diesem Posten in der Bundesrepublik. Da ist es strategisch clever, das Ministerium jenseits seiner Kernthemen breiter aufzustellen. Die schiere Masse an Aufgaben, die dieses Haus nun zu bearbeiten hat, birgt aber viele Risiken. Schon Seehofers Vorgänger de Máizière bekam beispielsweise bei der Flüchtlingskoordination Kompetenzen vom Kanzleramt abgenommen. Vor der Überforderung kann einen auch eine Heerschar von Staatssekretären nicht bewahren.

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(qua)