Berliner Republik: Die schwierige Zeit nach dem Amtsverlust

Berliner Republik : Die schwierige Zeit nach dem Amtsverlust

Für Ex-Minister ist es schwierig, einen neuen Job zu finden: Eine neue Aufgabe mit Bedeutung muss schon her. Der Verbleib eines Dienstwagens wäre nicht schlecht. Nach Vetternwirtschaft soll es aber nicht aussehen. Bei der Lösung des Problems zeigt sich, aus welchem Holz sie geschnitzt sind.

Für viele Spitzenpolitiker, die eine ganze Legislaturperiode oder länger Minister waren, ist es mühsam, ins richtige Leben zurückzufinden. Plötzlich sind sie nicht mehr von einem Stab dienstbarer Geister umgeben, die auch Alltägliches erledigen — wie Klamotten in die Reinigung tragen oder eine Rechnung im Café begleichen. Für manch einen Ex-Minister ist es eine interessante Erfahrung sich nach Jahren mit Chauffeur mal wieder selbst hinter das Steuer eines Autos zu klemmen. In ehrlichen Momenten geben die Ex-Minister zu, dass sie durchaus eine Phase des Entzugs erlebt haben, nachdem der Rundum-Service und die Beachtung der eigenen Person von einem Tag auf den anderen weg waren.

Wie ein Politiker auf den Verlust des Amtes reagiert, hängt mit Alter, Amtsdauer, Art des Abgangs und der Persönlichkeit zusammen. Grob gesprochen lassen sich drei verschiedene Typen ausmachen: Flüchter, Elder Statesmen und Zurück-ins-Glied-Treter.

An erster Stelle seien die Flüchter genannt. Dabei handelt es sich meistens um junge Politiker, die früh in hohe Ämter gekommen sind, aber nur eine kurze Verweildauer hatten. Zu ihnen zählt zum Beispiel der frühere FDP-Minister Philipp Rösler, der nach Genf übersiedelte und nun das Weltwirtschaftsforum organisert. Ex-Gesundheitsminister Daniel Bahr (ebenfalls FDP) hat mit der Beratung des US-Präsidenten in Fragen der Gesundheitsversorgung einen attraktiven Job gefunden. Auch er gehört zu den Flüchtern. Gleiches gilt für den früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), der nach seinem unrühmlichen Abgang wegen der abgekupferten Dissertation nach Amerika auswanderte.

Zur Gruppe der Elder Statesmen gehören inzwischen auffällig viele Frauen. Sie sitzen etwa als Vizepräsidentinnen im Bundestag. Dazu gehören Ex-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt und Ex-Bildungsministerin Edelgard Bulmahn (beide SPD). Grundsätzlich ist nach einem langen Politikerleben gegen ein solches Pöstchen nichts einzuwenden. Es sind mittlerweile nur sehr viele, die so versorgt werden wollen.

Schließlich gibt es auch diejenigen, die bereit sind, zurück ins Glied zu treten. Der frühere Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) bewährt sich gerade als neuer Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses. Ex-Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), der keine Erklärung dafür hat, warum ihn sein Parteichef als Minister ausrangierte, gibt sich mit dem Vorsitz des Wirtschaftsausschusses zufrieden. Dass mit Brigitte Zypries (SPD) eine frühere Ministerin nun als Staatssekretärin in der zweiten Reihe arbeitet, ist ebenfalls bemerkenswert.

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(qua)