Berliner Republik: Die Rückkehr der Schreibmaschine

Berliner Republik : Die Rückkehr der Schreibmaschine

Was haben wir in den vergangenen 25 Jahren aufgerüstet: Computer, Laptop, Tabloid, Smartphone, E-mails, SMS, Twitter, Facebook. Und nun erwägt der NSA-Untersuchungsausschuss im Bundestag zur Schreibmaschine zurückzukehren. Da, kann die NSA nicht mitlesen.

Bislang ist gegen die Spioniererei der Amerikaner in Deutschland kein Kraut gewachsen.Trotz der Beschwerden der Kanzlerin, des Rauswurfs eines US-Diplomaten und der Anschaffung der Krypto-Handys in der Regierung bleiben die Amerikaner hübsch auf Horchposten. Ein NSA-Mitarbeiter ließ sogar wissen, dass die Krypto-Handys mit ihrer Verschlüsselungstechnik die Arbeit des Geheimdienstes nicht beeinträchtigten. Das klingt ja beruhigend.

Doch die Deutschen sind mittlerweile zu allem entschlossen, der transatlantischen Aushorcherei ein Ende zu bereiten. Da die Spionageabwehr in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt, man also den amerikanischen Freunden technisch in den nächsten 150 Jahren nicht beikommen wird, denkt man hierzulande über eine Rolle rückwärts nach. Der NSA-Ausschuss erwägt ernsthaft, seine Protokolle und Unterlagen auf Schreibmaschine fertigen zu lassen. Und so lange die Mitarbeiter dort nicht gerade eine Google-Brille tragen, werden die Geheimdienste auch nicht mitlesen können. Jedenfalls nicht in Echtzeit.

Die Renaissance der Schreibmaschine hätte auch den Charme, eine Art nachrichtentechnisches Biotop inmitten der digitalen Welt darzustellen. Neben den vielen Hochleistungscomputern in Zigarrenschachtel-Größe wäre der Einsatz der Schreibmaschine nachgerade ein subversiver Akt.

Nur, was bringt das? So lange es leidglich ein Exemplar der abgetippten Erkenntnisse des NSA-Untersuchungsausschusses gibt und dieses jede Nacht unter dem Kopfkissen des Ausschuss-Vorsitzenden landet, mag das Dokument geheim bleiben. Wahrscheinlicher aber ist, dass Kopien zumindest an alle Ausschussmitglieder verteilt werden. Diese bitten dann ihre Mitarbeiter die Dokumente zu scannen, damit man sie auf Reisen bequem auf dem Laptop oder dem Tabloid studieren kann. Und dann stellen auch die Jungs von der NSA wieder ihre Lauscher auf.

Möglicherweise müssen sich die amerikanischen Geheimdienstmitarbeiter auch gar nicht die Mühe machen, sich in die Computer der Abgeordneten einzuklinken. Vielleicht werben sie auch wieder irgendeinen geldgierigen und geltungssüchtigen Mitarbeiter im Umfeld des Ausschusses an, um an die Dokumente heranzukommen. Der bezahlte Spion lässt sich wiederum 14 Tage später wegen Volltrotteligkeit erwischen.

Die sicherste Methode, dass die Amis wirklich keine Informationen erhalten, was in Deutschland im NSA-Untersuchungsausschuss läuft, wäre ein Stopp der Arbeit. Vor dem Hintergrund, dass bislang niemand davon ausgeht, der Ausschuss könne einen Erkenntnisgewinn bringen, wäre dies verkraftbar.

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(RP)
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