Kolumne: Berliner Republik: CDU auch in Talkshows stärkste Kraft

Kolumne: Berliner Republik : CDU auch in Talkshows stärkste Kraft

Männlich, sendungsbewusst, alt - das sind die typischen Eigenschaften eines Gastes in einer politischen Talkshow. Es kommen aber immer weniger Politiker in die TV-Runden. Viele produzieren lieber ihre eigenen Formate.

Nur noch etwa jeder dritte Gast in den großen politischen Talkshows ist ein Politiker. Das hat der Talkshow-Monitor "Meinungsmaschine.de" durch eine Auswertung der Formate "Hart aber Fair", "Günther Jauch", "Maybrit Illner" und "Anne Will" herausgefunden. Was zeigt: Es gibt einen kulturellen Wandel in der Kommunikation zwischen Politik und Volk.

Insbesondere die Spitzenpolitiker machen sich in den TV-Studios der Öffentlich-Rechtlichen rar. Unter Berliner Amtsträgern gilt es teilweise schon als "Schwarze Peter"-Spiel, wer für seine Partei und seine Positionen in eine Talkshow geht.

Interessanterweise dominieren die Unionspolitiker in den Runden, während sich die im Dauerumfragetief stehende SPD regelmäßig ein Millionen-Publikum entgehen lässt: Von den drei meistgebuchten Politikern in den vier großen Politik-Talks kommen drei aus der Union. Erst dann folgt SPD-Vize Ralf Stegner mit sieben Auftritten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat solche Runden noch nie gemocht. Sie produziert schon seit längerem mit dem wöchentlichen Video-Podcast ihre eigene Sendung. Aus Sicht der Regierungschefin hat das nur Vorteile: Die Fragen sind abgesprochen, niemand fällt ihr ins Wort. In aller Ruhe kann sie senden, was sie zu sagen hat. Auf diesem Weg produziert die Kanzlerin höchst effizient ihre eigenen Nachrichten. Auch Regierungssprecher Steffen Seibert stellt immer häufiger kurze Video-Botschaften beim Kurznachrichtendienst Twitter ein, in denen er die Arbeit der Regierung bewirbt.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ließ sich in ihrem Ministerium inzwischen sogar ein kleines Studio einrichten. Den Raum wolle sie in Zukunft für Statements zu aktuellen Themen und Grußbotschaften an Bundeswehrangehörige nutzen, wie der "Spiegel" berichtet. Dabei gehört von der Leyen zu den wenigen Ministern, die sich regelmäßig in die Talkshows trauen. Einer der wenigen Punkte, wofür ihr viele Parteifreunde dankbar sind.

Während der Anteil der Politiker in den Talkrunden sinkt, kommen immer mehr Journalisten, Promis aus dem bunten Fach, Wissenschaftler oder andere Experten in die Studios. Dabei ist der typische Talkshowgast auch heute noch männlich, sendungsbewusst und in die Jahre gekommen - ähnlich wie zu Zeiten des "Internationalen Frühschoppens" in den 50ern. In den vier genannten Politik-Talkshows lag "Meinungsmaschine.de" zufolge der Frauenanteil im Durchschnitt bei 28 Prozent. Das Alter der Gäste betrug im Schnitt knapp 55 Jahre.

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(RP)
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