Berliner Republik: Bettvorleger und andere Politiker-Vergleiche

Berliner Republik : Bettvorleger und andere Politiker-Vergleiche

Vergleiche gehen meistens nach hinten los, lösen einen Skandal aus, oder im minder schweren Fall hinken sie einfach nur. Dass die Damen und Herren im Regierungsviertel dennoch nicht darauf verzichten, liegt daran, dass sie meinen, mit Volksweisheiten und Fußballvergleichen besser verstanden zu werden.

Wenn jeder Bundestagsabgeordnete für einen Fußballvergleich fünf Euro Strafe an den Finanzminister zahlen müsste, hätte der Bundestag in der vergangenen Woche nicht nach zusätzlichen drei Milliarden Euro im Haushalt suchen müssen. Der geneigte Wähler muss davon ausgehen, dass es im Bundestag vor allem unter munterem Foulspiel ums Toreschießen und das Erringen von Punktsiegen geht. Die Regierung bietet Steilvorlagen, hilft der Opposition aber nicht, weil sie von einer Manndeckung personell weit entfernt ist. Die Beispiele ließen sich endlos weiterführen. Man darf getrost davon ausgehen, dass diese Art von Vergleichen ab dem 12. Juni pünktlich zum Start der Fußball-WM noch einmal mächtig zunehmen wird.

Immerhin sind die Fußballvergleiche noch ein ganz kleines bisschen origineller als der Standard. Der mit Abstand am meisten strapazierte Vergleich im Berliner Regierungsviertel ist der mit dem Bettvorleger. Wenn ein Politiker der Partei A publik machen möchte, dass der Kollege der Partei B einen Vorstoß unternommen hat, der in seinen Augen nicht geglückt ist, muss immer der Bettvorleger herhalten. Dann heißt es, "als Tiger gesprungen, als Bettvorleger gelandet".

Auf Platz zwei rangiert das mit dem Bettvorleger nicht zu verwechselnde Bärenfell, das sich vor allem in Wahlkampfzeiten allergrößter Beliebtheit erfreut. Auf die Frage, wer denn nach der Wahl welche Rolle spielen soll, lautet der Standard-Vergleich für den Poker um die besten Jobs, dass das Fell des Bären erst verteilt werde, wenn dieser erlegt sei. Zu Zeiten der Bärenjagd, also im Wahlkampf, scheuen die Kandidaten es auch nicht mehr, Kinderbuch-Klassiker zu plündern. So wird der politische Gegner regelmäßig mit dem Scheinriesen Tur Tur verglichen, der umso kleiner wird, je näher er kommt. Zurück zum Fußball: Der ist der Politik ja nicht nur als Quell unendlich vieler Vergleiche nützlich. Sich ab und zu mit Fan-Schal einer erfolgreichen Mannschaft in der Öffentlichkeit zu zeigen, gilt als gute Image-Pflege. Wer dabei authentisch wirkt wie der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder kann sogar seine persönlichen Umfragewerte mit dem Einsatz im Stadion aufpolieren. Unvergessen ist auch der Besuch unserer Kanzlerin in der Spieler-Kabine nach dem EM-Qualifikationsspiel der deutschen Mannschaft gegen die Türkei. Nach dem 3:0 plauderte die Regierungschefin vor Kameras mit Mesut Özil, der ihr mit nacktem Oberkörper gegenüberstand. Das war dann eine unvergleichliche Situation.

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(RP)
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