Berliner Republik: Neue Liebe, altes Spiel bei der Groko

Kolumne: Berliner Republik: Neue Liebe, altes Spiel bei der Groko

Neue Liebe, altes Spiel: In der nächsten Groko wird alles anders - so zumindest der Vorsatz der beiden Koalitionspartner. Doch daraus wird wohl nichts.

Psychologen weisen uns gerne auf Beziehungsmuster hin - insbesondere dann, wenn man im Zusammenleben auch mit neuen Menschen immer wieder in die alten Fallen tappt. Bei Union und SPD lassen sich auch eine Menge Beziehungsmuster ausmachen, die insbesondere für die Sozialdemokraten oft von Nachteil waren. Aus küchenpsychologischer Sicht seien drei Spielarten erwähnt.

Erstens: Die SPD setzt Themen durch, die bei den Leuten gut ankommen, wie Mindestlohn und Rente ab 63. Die Union ist zwar eigentlich dagegen, nimmt es aber dennoch als Erfolg mit nach Hause. Zweitens: Die vielen faulen Kompromisse, die zwischen Union und SPD ausgehandelt werden, lösen bei beiden Parteien an der Basis Unmut aus. Während sich die SPD darüber regelmäßig fast zerlegt, zankt man sich bei der Union eigentlich nur, um hinterher umso geschlossener abzustimmen.

Und drittens: Während die SPD zum eigenen Schaden die Parteichefs wechselt wie andere die Socken, nimmt die Union im Dienste der Machtsicherung den schlechten Ruf des Kanzlerinwahlvereins in Kauf.

  • SPD-Mitgliederentscheid : Erleichterung über Ja der Sozialdemokraten zur Groko

Bei der Neuauflage der schwarz-roten Zweckgemeinschaft soll nun alles anders werden. Aber was eigentlich? Immerhin haben CDU und SPD mit Annegret Kramp-Karrenbauer und Lars Klingbeil zwei neue Generalsekretäre, die bislang Schablonen-Sätze vermeiden. Beide wollen ihren Parteien neue Grundsatzprogramme verpassen, die irgendwie die Krisen der Volksparteien eindämmen sollen.

Zudem hofft die künftige SPD-Chefin und schon amtierende Fraktionschefin Andrea Nahles, sich von Regierungsinhalten freidribbeln zu können. Ob dies gelingen kann, wenn sie die Regierungsbeschlüsse in der Fraktion durchsetzen muss, ist freilich fraglich. Beide Parteien jedenfalls wollen wieder mehr Markenkern zeigen. Da ist Streit in Sicht.

Ihre Meinung? Schreiben Sie unserer Autorin: kolumne@rheinische-post.de

(qua)