Kolumne: „Berliner Republik“ : Politische Aktionstage

Am Montag war Equal Pay Day – doch was bringen solche Anlässe eigentlich?

Von den 365 Tagen im Jahr gibt es kaum einen, der nicht als Aktions-, Feier- oder Gedenktag belegt ist. Hinzu kommen so hübsche Daten wie der Tag des Lächelns am 4. Oktober und – zum Glück außerhalb der Grippesaison – der Tag der Umarmung am 29. Juni und der Tag des Kusses am 6. Juli.

Am Montag nun war Equal Pay Day, mit dem sich eigentlich mal die Jury befassen müsste, die stets den „Anglizismus des Jahres“ kürt. Abgesehen davon, dass man das Anliegen, Männer und Frauen gleich zu bezahlen, auch in eine deutsche Formel kleiden könnte, ist dieser Tag sinnvoll und notwendig. Sein Datum nämlich ist variabel. Er wird stets an dem Tag begangen, bis zu dem Frauen rechnerisch durchschnittlich länger arbeiten mussten, um auf den gleichen Lohn zu kommen, den die Männer im Jahr zuvor erhalten hatten. Je näher der Tag also an den 1. Januar heranrückt, desto weniger notwendig wird er. Ob er jemals abgeschafft wird, ist allerdings fraglich. Denn man muss bei dem Thema differenzieren.

Die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen beträgt 21 Prozent. Wenn man aber strukturelle Ursachen abzieht, zum Beispiel, dass Frauen oft schlecht bezahlte Berufe ergreifen, häufig in Teilzeit arbeiten, seltener Führungspositionen haben, dann liegt die tatsächliche Gehaltskluft bei nur noch sechs Prozent. Diese sechs Prozent allerdings sind eine krasse Ungerechtigkeit, auf die es lohnt, auch außerhalb des Equal Pay Day aufmerksam zu machen. Bei den strukturellen Problemen sollte man zumindest schauen, ob Frauen, die weniger Teilzeit und mehr Führungspositionen anstreben, der Weg besser geebnet werden kann.

Interessant noch die Botschaft der Facebook-Chefin Sheryl Sandberg zu diesem Tag: Sie beklagt, dass Männer oft das Lob absahnten, wenn Frauen gute Ideen hätten. Wenn da mal nicht ein Anti-Ideenklau-Tag fällig ist.

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