Bei der Digitalisierung des Autos hinkt die deutsche Industrie noch immer hinterher.

RP-Kolumne: Total Digital : Mit Vollgas in die Sackgasse

Das Auto wird zunehmend digital. Die deutsche Leitindustrie fährt noch hinterher.

Wenn es um Autos geht, bin ich befangen. Seit meiner ersten Probefahrt mit einem E-Auto bin ich geradezu zum Elektrofan mutiert, habe jüngst sogar ein Blog gegründet, das sich der Elektromobilität widmet.

Kein Gestank, kein Lärm und das gute Gefühl, durch Ökostrom dabei zu helfen, zumindest einen Teil der giftigen Emissionen zu reduzieren, hat mich überzeugt. Was mich bis heute aber am meisten an meinem Fahrzeug begeistert: Mein Auto ist digital!

Über eine App kann ich meinen Fahrstil, meinen Stromverbrauch sowie den Ladestand des Akkus einsehen. Ich kann festlegen, wann mein Wagen laden soll (Nachtstromtarif). Ich kann vom Bett aus die Standheizung aktivieren, per Handy sogar die Fahrertür öffnen, wenn ich mich mal ausgesperrt habe.

Wenn die Autos auch in Deutschland eines Tages elektrisch und weitestgehend autonom fahren, wird es nicht mehr darauf ankommen, wie ein Fahrzeug im Stadtverkehr oder auf der Autobahn „performt“, sondern wer das bestvernetzte digitale Bordsystem besitzt.

Und gerade hier sehe ich große Probleme. Während wir uns hierzulande noch über Rekordumsätze freuen, erleben wir, wie Branchenneuling Tesla den deutschen Premiummarken BMW, Audi oder Daimler immer mehr den Schneid abkauft. Vor allem bei der Software sind uns die Kalifornier, inzwischen aber auch die Chinesen, um Jahre voraus.

Den deutschen Autobauern ist das durchaus bewusst. Nicht zuletzt deshalb investiert Volkswagen zweistellige Milliardenbeträge in Batterien, verstärkt aber auch in die eigene Softwareentwicklung. Ob sie damit noch gegen Google oder Apple eine Chance haben?

Richard Gutjahr ist Moderator für das Bayerische Fernsehen und Blogger.
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