Kolumne Gesellschaftskunde : Einsamkeit macht krank

In einer guten Gesellschaft darf niemand denken, er sei egal.

Gerade hat eine Studie französischer Forscher erneut gezeigt, wie sehr Einsamkeit belastet. Wenn Menschen den Kontakt zu anderen verlieren, wenn sie sich bei niemandem mehr geborgen und erwünscht fühlen, dann werden sie krank. Als durchtrenne die Einsamkeit Adern zur Versorgung mit Zuneigung, Vertrauen, Liebe, ohne die der Einzelne nicht überleben kann.

Nun wird bei diesem Thema immer darauf hingewiesen, dass Einsamkeit von Alleinsein zu unterscheiden ist. Dass es also durchaus Menschen gibt, die sich freiwillig für ein Leben entscheiden, in dem sie viel Zeit mit sich allein verbringen – und das genießen. Oder sogar als Freiraum so nötig haben wie andere den Kontakt.

Einsamkeit ist also nicht so sehr eine Frage der Zahl von Bekannten oder der Lebensform. Alleinsein macht krank, wenn ein Mensch sich abgekoppelt fühlt und dieser Zustand nicht freiwillig gewählt ist, wenn er als Mangel empfunden wird oder Ergebnis des Verlusts von Bindungen ist. Es ist also die Ohnmacht, die im Gefühl der Einsamkeit lauert. Das Empfinden, ein Leben zu leben, das man sich nicht ausgesucht hat. Einsame Menschen hadern mit ihrem Zustand, sie empfinden ihr Dasein nicht als erfüllend und glauben, nichts ändern zu können.

Da muss der Kampf gegen die Einsamkeit also ansetzen: bei der Befreiung aus der Ohnmacht. Manchen Menschen gelingt das nach einer Phase der Einsamkeit oft selbst. Sie wagen es, wieder auf andere zuzugehen. Andere aber benötigen unsere Unterstützung.

Einsamkeit ist das existenzielle Gefühl, der Welt da draußen gleichgültig zu sein. Darum ist es eine Herausforderung für jede Gesellschaft, ein Klima zu schaffen, in dem möglichst wenig Menschen auf die Idee kommen, es sei egal, ob sie da sind oder nicht.

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