Kolumne: Wie ein staatliches Wohnungsangebot finanzierbar wäre.

Kolumne: Hier in NRW : Das Land als Großaktionär?

Wie ein staatliches Wohnungsangebot finanzierbar wäre.

Weil der Markt versagt, soll das Land preiswerten Wohnraum organisieren. Unabhängig davon, ob diese gegenwärtig besonders laut vorgetragene Forderung sinnvoll ist: Die beiden am intensivsten diskutierten Vorschläge dazu sind nicht umsetzbar. Ein noch gar nicht diskutierter Vorschlag dazu hingegen schon.

In NRW wird gerade ernsthaft über Enteignungen nachgedacht, um günstiges Wohnen zu erzwingen. Der Berliner Senat hat ausgerechnet, dass die Enteignung von 240.000 Wohnungen zu Entschädigungen in Höhe von rund 30 Milliarden Euro führen würde. In den NRW-Ballungsräumen ist die Angebotslücke ähnlich groß, und auch die Immobilienpreise sind mit dem Berliner Niveau vergleichbar. Daraus folgt, dass die Lösung des Problems qua Enteignung den NRW-Landeshaushalt mit rund 30 Milliarden Euro belasten würde. Der hat aber nur ein Gesamtvolumen von 80 Milliarden Euro. Schon dies macht die Realitätsferne des Enteignungskonzeptes deutlich.

Eine andere Forderung lautet: NRW soll sich wieder einen landeseigenen Wohnungsbaukonzern leisten. Wollte das Land 300.000 Wohnungen à 80 Quadratmeter aus dem Boden stampfen, müsste es dafür sogar mindestens 60 Milliarden Euro mobilisieren. Auch das klingt äußerst unrealistisch.

Das realistischste Szenario wurde bislang noch gar nicht gefordert: Das Land könnte sich an den beiden größten NRW-Wohnungskonzernen beteiligen, die beide börsennotiert sind. Eine Sperrminorität von 25,1 Prozent an der LEG und der Vonovia würde das Land bei aktuellen Börsenkursen „nur“ knapp acht Milliarden Euro kosten. Damit hätte NRW maßgeblichen Einfluss auf die Gestaltung der Mieten von mehr als 300.000 Wohnungen. Wünschenswert wäre das nicht. Aber wenigstens machbar.

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Autor: kolumne@rheinische-post.de

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