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Kolumne „Berliner Republik“: Endspurt im Osten

Kolumne „Berliner Republik“ : Endspurt im Osten

Kurz vor wichtigen Wahlen gibt es oft noch Verschiebungen in Umfragen.

Allzu oft bestimmt der Osten ja nicht die Geschicke der gesamten Republik. Die Bevölkerung ist zu klein, die Wirtschaftsleistung zu niedrig und die Spitzenpositionen in der Verwaltung und in großen Unternehmen sind oft mit Wessis besetzt. Am kommenden Sonntag aber könnten die Wähler in Sachsen und Brandenburg der Regierung in Berlin mehr als einen Denkzettel verpassen. Sie könnten die Republik erschüttern.

Könnten! Der Konjunktiv ist richtig. Denn nachdem die AfD mit der in Brandenburg regierenden SPD und der in Sachsen regierenden CDU über Wochen in den Umfragen gleichauf oder sogar leicht vor den einstigen Volksparteien lag, gab es in der vergangenen Woche eine überraschende Trendwende. Nun sieht es danach aus, als könne die SPD Brandenburg ihre Position als Mehrheitspartei verteidigen – wenn auch auf dem niedrigen Niveau von etwas mehr als 20 Prozent. Die CDU wiederum dürfte trotz aller Querelen um den Wahlkampf des früheren Verfassungsschutzchefs Hans-Georg Maaßen in Sachsen die Nase vorne behalten. Die jüngsten Umfragen sehen die CDU mit fünf bis sechs Prozent Vorsprung.

Interessant ist, dass in beiden Ländern die Grünen deutliche Einbußen hinnehmen mussten. Sie waren im Osten ohnehin nie sehr stark, profitieren aber auch dort vom bundesweiten Trend. Ein Absacken kurz vor den Wahlen nach monatelangen Höhenflügen in den Umfragen haben die Grünen in Bund und Länder schon häufiger erlebt. Die Erfahrung lehrt: Der Zuspruch zur Öko-Partei ist zwischen den Wahlen stets höher als am Wahltag selbst. Zumal sich die Bürger in Zeiten, da sich die Konjunktur eintrübt, oft auf die Volksparteien besinnen. Denn in Krisenzeiten erscheint es plötzlich wieder attraktiv, Parteien an der Macht zu haben, die für Kontinuität stehen.

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