CDU und Kohl: Kohl soll wieder Ehrenvorsitzender werden

CDU und Kohl: Kohl soll wieder Ehrenvorsitzender werden

(RP). Kurz vor dem 80. Geburtstag von Helmut Kohl flammt die Debatte um den Ehrenvorsitz wieder auf. Konservative CDU-Politiker fordern eine Versöhnung mit dem Altkanzler. Angela Merkel winkt ab.

Die Erinnerung an den Spendenskandal der CDU wird im politischen Berlin wieder wach. Die neuesten Umfragewerte des Forsa-Instituts sehen die Union nur noch bei 32 Prozent. So schlecht standen CDU und CSU zuletzt Anfang 2000 da – auf dem Höhepunkt des Spenden-Affäre.

Doch dieses Mal trifft Helmut Kohl, der bis heute die Namen von illegalen Parteispendern verschweigt, keine Schuld. Laut Forsa-Chef Manfred Güllner lässt sich die Unzufriedenheit mit Schwarz (und Gelb) auf den Dauer-Streit in der Regierung zurückführen.

Helmut Kohl hingegen erfreut sich – eine Woche vor seinem 80. Geburtstag – einer neuen Beliebtheit. Nicht nur, weil eher linke Medienvertreter wie Ex-Spiegel-Chef Stefan Aust oder der Politik-Chef der "Süddeutschen Zeitung", Heribert Prantl, jüngst ungewöhnlich milde und versöhnlich über Kohl urteilten. Sondern auch, weil in Folge des Modernisierungskurses der Merkel-CDU die Sehnsucht nach dem Pfälzer Urgestein wächst.

Nun fordern die einflussreichen Chefs der Senioren- und der Mittelstandsunion der CDU, Helmut Kohl erneut den Ehrenvorsitz anzubieten. "Helmut Kohl hat sich außergewöhnliche Verdienste um die CDU erworben. Er hat ein Recht darauf, den Ehrenvorsitz zu erhalten", sagt Otto Wulff (77), Vorsitzender der Senioren-Union, der mit 57 000 Mitgliedern zweitgrößten Vereinigung der CDU. Unter Kohls Vorsitz sei die Partei zur Partei Europas und der deutschen Einheit geworden, lobt Wulff, der seit 58 Jahren CDU-Mitglied ist und dessen Vater zu den Mitbegründern der Partei gehörte.

  • Fotos : Bilder der ZDF-Biografie über Helmut Kohl

Auch der Chef der Mittelstandsvereinigung, Josef Schlarmann, fordert eine Versöhnung mit dem Altkanzler, der auf Druck der Partei 2001 den Ehrenvorsitz zurückgegeben hatte. "Die Wiedervereinigung hat Helmut Kohl mit einer internationalen Bravour gelöst, die seinesgleichen sucht. Diese historische Leistung kann nicht hoch genug eingeschätzt werden", findet Schlarmann. Der Ehrenvorsitz sei eine Selbstverständlichkeit. "Der 80. Geburtstag ist eine gute Gelegenheit, um alte Konflikte beiseite zu legen."

Bundeskanzlerin Angela Merkel, die ihre Karriere zunächst der Nähe, später der Distanz zu Kohl verdankt, lehnt das Ansinnen ab. "Diese Frage stellt sich nicht mehr." Die CDU-Vorsitzende scheut eine Debatte über den Ehrenvorsitz für den Ex-Kanzler, der von 1973 bis 1998 die CDU führte. "Sie hat ein unspektakuläres Verhältnis zu Kohl, aber diese Debatte führt nur in die dunkle Vergangenheit. Warum sollte sie das wollen?", sagt eine Merkel-Vertraute. Immerhin spricht Merkel, einst "Kohls Mädchen", am 5. Mai ein Grußwort auf dem Geburtstagsempfang für Kohl in dessen Heimat Ludwigshafen. Außerdem will die CDU-Zentrale nächste Woche eine "besondere" Videobotschaft veröffentlichen.

In der Parteizentrale bemüht man sich, den Anschein zu vermeiden, Kohl werde vergessen. Am Dienstag verschickte die CDU-Marketingabteilung eine "Wandzeitung" mit einem eigens hergestellten Glückwunschplakat an alle Kreisverbände (siehe Bild). Kohl soll als "Kanzler der Einheit" aus den Schaukästen der örtlichen CDU-Geschäftsstellen lächeln. Eine ursprünglich geplante Feier in Berlin mit Russlands Ex-Staatschef Michail Gorbatschow hatte Kohl wegen seiner angeschlagenen Gesundheit absagen müssen. In der Öffentlichkeit tritt der Pfälzer nur noch selten auf. "Je älter er wurde, umso unzugänglicher wurde er", urteilt sein Biograf Gerd Langguth. Kohl, inzwischen im Rollstuhl sitzend, lebt zurückgezogen mit Ehefrau Maike Richter in Ludwigshafen. Den Ehrenvorsitz strebt er ohnehin nicht mehr an, sagt einer der wenigen Berliner Weggefährten. "Das reißt nur alte Wunden auf."

(RP)