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Umstrittene Technologie: Körperscanner-Premiere in Hamburg

Umstrittene Technologie : Körperscanner-Premiere in Hamburg

Hamburg (RPO). Zehn Monate nach dem Anschlagsversuch des "Unterhosenbombers" Umar Farouk Abdulmutallab in den USA ist es soweit: In Deutschland kommen die ersten Körperscanner testweise zum Einsatz. Doch die Technologie ist umstritten und teuer, ihr Mehrwert zweifelhaft. Die Italiener wollen ihre Geräte sogar wieder einmotten.

"Der heutige Tag ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer verbesserten Luftsicherheitskontrolle auf deutschen Flughäfen", verkündete Innenminister Thomas de Maizière (CDU) vollmundig auf dem Flughafen Hamburg. Die drei Grundvoraussetzungen für den Einsatz der Geräte seien erfüllt: gesundheitliche Unbedenklichkeit, die Wahrung der Persönlichkeitsrechte und ein Mehrwert für die Luftsicherheit.

Er hoffe, der Test werde erfolgreich sein und die Sicherheitskontrollen nicht nur sicherer, sondern auch effektiver und schneller machen. Noch gebe es bei den getesteten Geräten aber "zu viele Fehlalarme". Dann schritt de Maizière gleich zum medienwirksamen Selbstversuch.

Die Technologie ist jedoch mit vielen Fragezeichen versehen. Zwar sind mit den Geräten Gegenstände oder Sprengstoffe erkennbar, die am Körper getragen werden. "Wir müssen sehen, dass wir hier nicht einer technischen Lösung aufsitzen, die eine trügerische Ruhe verbreitet", sagte der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Klaus Jansen, bereits im Januar. Ein Beispiel wird in diesem Zusammenhang immer wieder angeführt: Im August vergangenen Jahres wurde ein Anschlag auf den stellvertretenden Innenminister Saudi-Arabiens verübt. Der Attentäter trug den Sprengstoff in seinem Körper - da hätte auch ein Scanner nicht geholfen.

Experten sehen eher bei den "klassischen" Personenkontrollen Handlungsbedarf. Bei Tests an deutschen Flughäfen ist es Polizisten in der Vergangenheit immer wieder gelungen, Waffen, Waffenteile und andere verbotene Gegenstände hereinzuschmuggeln. Hier gab es eine vergleichsweise hohe Fehlerquote, die auf die schlechten Arbeitsbedingungen und geringe Qualifikation des privaten Personals zurückgeführt werden.

"Unterhosenbomber" löste Diskussion aus

In der Testphase ist Nutzung der zwei Geräte für Passagiere freiwillig. Die bisher übliche Sicherheitskontrolle durch die klassische Torsonde ist weiter möglich. Das war auch Ende 2009 der Fall, als sich der so genannte "Unterhosenbomber" von Amsterdam aus in Richtung USA aufmachte. Der seinerzeit 23-jährige Nigerianer Umar Farouk Abdulmutallab hatte versucht, sich kurz vor Detroit in einem Passagierflugzeug in die Luft zu sprengen. Letztlich konnte er davon abgehalten werden, den in seiner Unterhose versteckten Sprengsatz zu zünden.

In Amsterdam hatte der Student ebenfalls die Wahl zwischen einer "klassischen" Kontrolle und einem Scanner gehabt. Auch der Fall des britischen "Schuh-Bombers" Richard Reid, der kurz vor Weihnachten 2001 auf einem US-Flug von Paris nach Miami versucht hatte, wirft Fragen auf. Er hatte versucht, in seinen Schuhen versteckten Sprengstoff zu zünden - hätte ein Scanner hier geholfen?

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Der Fall Abdulmutallab hatte Anfang dieses Jahres eine heftige Diskussion um die Einführung der Scanner ausgelöst. Vor allem die CDU, allen voran der Innenexperte Wolfgang Bosbach, hatte einen Test der Technologie forciert. Datenschützer monierten einen unzulässigen Eingriff in die Intimssphäre der Passagiere, was jedoch durch entsprechende Bildgebungsverfahren entkräftet werden konnte. Auf den Bildschirmen des Personals erscheinen nur Strichmännchen.

Flop in Italien

Nun steht der Praxistest an. "Wir hoffen, dass sich viele Fluggäste an dem freiwilligen Test beteiligen. Dann wird sich zeigen, ob die Körperscanner schnelle und für unsere Passagiere bequeme Kontrollen garantieren können", erklärte Michael Eggenschwiler, Präsident des Flughafenverbands ADV und Vorsitzender der Geschäftsführung des Flughafens Hamburg.

Vielleicht hätte auch ein Blick nach Italien genügt. Dort wird der Einsatz sogenannter Körperscanner nach halbjähriger Testphase gestoppt. "Wir haben keine guten Ergebnisse mit den Geräten erzielt", sagte der Chef der italienischen Flugbehörde, Vito Riggio, der Zeitung "Corriere della Sera" in der letzten Woche. Die Untersuchung der Passagiere mit den Scannern dauere zudem länger als bei herkömmlichen Abtastungen durch das Sicherheitspersonal. Die Flughäfen in Rom, Venedig und Palermo haben den Test mit den Scannern demnach bereits beendet, der Airport in Mailand werde wahrscheinlich bald folgen.

In den USA hingegen sind die Erfahrungen mit den Geräten gut, die Anwendung soll massiv ausgeweitet werden. Dort ist man nach dem Trauma des 11. September für das Thema Flugsicherheit sensibilisiert. Auch die Israelis sind sehr auf Sicherheit bedacht. In Tel Aviv setzt man auf technische Hilfsmittel und auf das geschulte Auge: Passagiere werden eingehend überprüft und im Bedarfsfall herausgewunken. Der "Unterhosenbomber" hätte es wahrscheinlich nicht ins Flugzeug geschafft.

Mit Agenturmaterial.

Hier geht es zur Bilderstrecke: 2010: De Maiziere testet Körperscanner