Bosbach: Noch nicht praxistauglich: Körperscanner - die Skepsis beginnt von vorn

Bosbach: Noch nicht praxistauglich : Körperscanner - die Skepsis beginnt von vorn

Hamburg (RPO). Sind sie praxistauglich oder nicht? Kaum ist die Testphase mit den Körperscanner am Hamburger Flughafen abgeschlossen, scheint die Diskussion darüber von vorn loszugehen. Nach der Gewerkschaft der Polizei äußert sich nun auch der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach skeptisch. Dabei sind die ursprünglichen Bedenken gegen die Geräte schon längst ausgeräumt worden.

Am Wochenende hatte die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf einen Bericht der Bundespolizei berichtet, dass die Körperscanner noch immer eine hohe Fehlerquote aufweisen. Demnach wurde die Leistung der Scanner zwar positiv bewertet, allerdings liege die Alarmquote bei 70 Prozent. Die Fluggäste hätten nachkontrolliert werden müssen.

Das Innenministerium aber wies Berichte darüber zurück, dass die Scanner in der Testphase durchgefallen seien. Jetzt erst beginne man mit der Auswertung. Die Ergebnisse sollen in ein paar Wochen vorgestellt werden. Und dennoch beginnt schon jetzt wieder die Kritik an den Geräten, die vor ihrer Erprobung in Hamburg auf große Skepsis bei Datenschützern und in der Bevölkerung stießen.

Bosbach: Einsatz erst, wenn technisch akzeptabel

Bosbach etwa stufte die Scanner als noch nicht praxistauglich ein. Er sagte der "Süddeutschen Zeitung", dass eine Alarmquote der beiden Geräte von 70 Prozent nicht akzeptabel sei. Durch die Nachkontrolle der Passagiere mit der Hand werde die Passagierabfertigung verzögert und ein wichtiges Ziel der Geräte verfehlt. Nach Meinung Bosbachs könnten die Scanner also erst dann flächendeckend eingesetzt werden, wenn sie technisch akzeptabel seien.

Ähnlich hatte auch schon die Gewerkschaft der Polizei argumentiert, ging jedoch in ihrer Forderung noch ein Stück weiter. Der Vorsitzende Bernhard Witthaut forderte in der "Neuen Osnabrücker Zeitung", auf den Einsatz der Geräte zu verzichten. Der Praxistest habe gezeigt, dass sie nicht für den flächendeckenden Einsatz taugen. Die Regierung solle daher eher für ausreichend gut geschultes Sicherheitspersonal sorgen.

Dass die Polizei schon jetzt nach Konsequenzen ruft, obwohl die offiziellen Ergebnisse des Praxistests noch gar nicht da sind, verwundert nicht. Schließlich geht es hier nicht nur um die Sicherheit der Passagiere, sondern möglicherweise eines Tages auch um Arbeitsplätze, wenn das Kontrollieren der Passagiere per Hand entfällt. Diejenigen aber, die am meisten gegen die Scanner gewettert haben, sind inzwischen gar nicht mehr beunruhigt.

Angst vor detailreichen Abbildungen

Das hat auch seinen Grund, denn Bedenken, dass etwa die Strahlung der Geräte gefährlich sein könnte, wurden gleich zu Beginn des Tests ausgeräumt. Auf wesentlich größere Kritik war damals gestoßen, wie die Menschen auf den Geräten abgebildet werden. Der weit verbreitete Name "Nacktscanner" hatte impliziert, dass alles zu sehen sei.

Inzwischen ist bei den Computer-Strichmännchen nicht einmal mehr zu erkennen, ob es sich bei dem Kontrollierten um Mann oder Frau handelt. Und so äußert sich sogar Deutschlands oberster Datenschützer inzwischen nicht mehr ablehnend, obwohl er zuvor einer der größten Kritiker der Körperscanner war. Schaar sagte am Montag der "Saarbrücker Zeitung", er habe die geplante Einführung kritisch bewertet, aber die im Praxistest eingesetzten Scanner basierten auf einer verbesserten Technologie.

Schaar sagte der Zeitung weiter, er sei gespannt auf die Testergebnisse, denn die würden auch zeigen, inwieweit sich ein Sicherheitsgewinn durch die Scanner erzielen lasse. Bis dahin werden wie erwähnt noch einige Wochen vergehen.

Dass die Scanner aber nicht eines Tages Alltag werden, mag man kaum glauben. Schließlich werden sie in vielen Ländern schon längst eingesetzt, und auch das europäische Parlament hat im Prinzip nichts gegen die Geräte - entscheiden sollen darüber aber die einzelnen Mitgliedsstaaten. Und in der sechsmonatigen Testphase haben immerhin mehr als 700.000 Passagiere freilich an dem Test teilgenommen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: 2010: De Maiziere testet Körperscanner

(mit Agenturmaterial)
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