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Nach Rückzug von Fritz Schramma: Kölner CDU sucht OB-Kandidaten

Nach Rückzug von Fritz Schramma : Kölner CDU sucht OB-Kandidaten

Köln/Düsseldorf (RP). Nach dem Rückzug von Fritz Schramma sucht die Kölner Union einen Nachfolger. Bislang handelte sich die Parteispitze lediglich Absagen ein. Der Ruf nach einer Intervention von Ministerpräsident Rüttgers wird lauter. Eine Niederlage der CDU in Köln könnte Signalwirkung für NRW haben.

Die Sitzung begann gestern um 19 Uhr im Kölner Senatshotel. Kölns CDU-Parteichef Jürgen Hollstein informierte den Vorstand über die aktuelle Lage nach dem Rückzug von Oberbürgermeister Fritz Schramma. Hollstein hatte wenig Erfreuliches zu berichten. Bei der Suche nach einem OB-Kandidaten haben die Wunschkandidaten alle abgesagt.

In der Kölner CDU ist die Stimmung gedrückt. Zwar hatte es auch in der Partei Kritik am Krisenmanagement des Oberbürgermeisters nach dem Einsturz des Historischen Stadtarchivs gegeben. Doch mit dem Schramma-Rückzug hat sich die Lage verschlimmert. "Jetzt schwenkt der Fokus des Interesses vom Unglück am Waidmarkt auf den Zustand der CDU", befürchtet eine Unions-Ratsfrau. Der sei desolat, fügt sie resigniert hinzu.

Vor neun Jahren hatte die CDU nach dem Aktien-Skandal des SPD-OB-Kandidaten Klaus Heugel die Macht im Rathaus übernommen. Jetzt steht sie fast ohne Einfluss da. Die Ratsfraktion hat keinen Koalitionspartner. Der letzte verbleibende CDU-Dezernent ist durch ein Disziplinarverfahren belastet, weil er brisante Informationen nicht zügig weitergegeben hat. Kurz vor dem Einsturz hatte der beliebte Bürgermeister Josef Müller nach Klüngel-Enthüllungen den Hut nehmen müssen. "Viele glauben, dass das Schiff sinkt", heißt es im Rathaus.

Bislang ist offenbar niemand bereit, die Brücke zu übernehmen. Schramma war die Integrationsfigur in der durch Grabenkämpfe geschwächten Partei. "Wir brauchen jetzt einen Nachfolger, der Top-Qualität haben muss", sagt die Kölner Bundestagsabgeordnete Ursula Heinen. Sie selbst will in Berlin bleiben.

Da die OB-Wahl am 30. August — zwei Wochen nach den Sommerferien — stattfindet, bleibt kaum Zeit, einen noch relativ unbekannten Bewerber aufzubauen. Als Ideallösung gilt deswegen ein prominenter Name — wie der Adenauers. Gestern zerstreuten die Enkel des prominenten ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer (1949-1963) jedoch die Hoffnungen, sie würden einspringen. Paul Bauwens-Ade-nauer (55), der Kölner Vorsitzende der Industrie- und Handelskammer, sowie sein Bruder Patrick Adenauer (48), der als Geschäftsführer der Bauwens-Gruppe tätig ist, erklärten, sie stünden nicht zur Verfügung. Eine Verflechtung des Baukonzerns mit der Politik würde unweigerlich neue Klüngel-Vorwürfe produzieren.

Noch am Sonntag, nach Schrammas Rückzug, hatte der künftige Chef des Grundbesitzer-Vereins, Konrad Adenauer, erklärt, nicht zur Verfügung zu stehen, obwohl er am Tag zuvor sein Interesse bekundet hatte. Woher dieser abrupte Sinneswandel rührt, ist unklar. Möglicherweise hat ihm die Landespartei signalisiert, dass sie dem 64-Jährigen die nötigen Managerqualitäten nicht zutraut. Als möglicher Kandidat verbleibt der Wirtschaftshistoriker Ulrich Soénius, Vorstandmitglied der Kölner CDU.

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Das Taktieren Schrammas seit der Einsturz-Katastrophe dürfte dem CDU-Landeschef Jürgen Rüttgers heftige Kopfschmerzen bereitet haben. In der Fraktionssitzung vorigen Dienstag, als von Rückzug noch nicht die Rede war, warnte der gebürtige Kölner Rüttgers vor der Annahme, die Domstadt sei ein Sonderfall, um den man sich nicht weiter zu kümmern brauche: "Köln ist keine Insel." Was dort passiere, strahle ins ganze Land aus. In Düsseldorf hält sich hartnäckig die Version, dass Rüttgers den Verzicht Schrammas beschleunigt haben könnte.

Schramma beklagt im Interview mit der "Kölnischen Rundschau", dass er von Samstagmittag bis Sonntagmorgen vergeblich versucht habe, Rüttgers zu erreichen: "Er ist nicht ans Telefon gegangen. Das war eine herbe Enttäuschung."

In Köln wurde gestern der Ruf laut, Rüttgers solle sich in die Kandidatensuche einschalten. "Der Landesvorsitzende ist in der Verantwortung", sagt Lothar Theodor Lemper, der Vorsitzende des Kulturausschusses. Eine Niederlage in Köln würde die Position der CDU in NRW gefährlich schwächen.

Noch haben die Kölner Christdemokraten die Hoffnung, dass Wolfgang Bosbach, der Fraktionsvize im Bundestag, seine Absage zurücknimmt. Er ist prominent, gilt als durchsetzungsstark — und hätte den in Köln nicht unwichtigen Frohsinns-Bonus: Bosbach ist Mitglied bei den Roten Funken.

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(RP)