Köln-Hooligans: Die Schläger feiern sich im Netz

Nach den Krawallen von Köln : Die Schläger feiern sich im Netz

Nach der Eskalation von Köln fühlen sich die Hooligans so stark wie noch nie. Im Internet brodelt es hektisch in der Szene. Dort braut sich eine wilde Mixtur aus Islamophobie, rechtsradikaler Hetze und dem für die Szene typischen Chauvinismus zusammen.

Als er am Sonntag in den Zug nach Köln stieg, wollte Polizei-Gewerkschafter Arnold Plickert seinen Augen kaum trauen. Nicht weil er dort einer Horde Hooligans begegnete. Sondern weil diese friedlich mit Dosenbier in der Hand zusammensaßen. Dass sich nun Gruppen zusammenschließen, die sich bislang traditionell halbtot schlugen, verleiht der Bewegung HoGeSa — Hooligans gegen Salafisten — zum Teil ihre neue Qualität.

Das neue Feindbild hat sie vereint: Sie treten an gegen Salafismus und radikale Islamisten. Und befinden sich damit im Fahrwasser der Rechtsextremen. Auch diese beteiligten sich an den Krawallen, etwa 500 sollen angereist sein. Im Netz beteiligten sich offenkundig auch Rechte an der Mobilisierung. Dass es zwischen Hooligans und Rechtsextremen personelle Überlappungen gibt, steht außer Frage. So wurde auf der Demo unter anderem der seit Jahrzehnten bekannte Dortmunder SS-Siggi gesichtet. Angemeldet hatte die Demo in Köln ein Ratsherr aus Mönchengladbach, der der rechtspopulistischen Bewegung Pro NRW angehört und ebenfalls aus der Hooligan-Szene stammen soll.

40.000 Freunde

Eigentlich In den Slogans der Hooligans heißt es jetzt: "Die Familie hält zusammen" oder "In den Farben getrennt, in der Sache vereint." Ihr Forum, in dem sie sich austauschen und organisieren, ist das Netz. Bei Facebook, Youtube und inzwischen auch auf einer eigenen Website. 40.000 Freunde fand die Gruppe "Hooligans gegen Salafisten" zwischenzeitlich bei Facebook. Inzwischen wurde sie gelöscht.

Dafür schießen andere Gruppen wie Pilze aus dem Boden. Dort feiern Nutzer den Krawall von Sonntag mit fast 5000 Teilnehmern und fast 50 verletzten Polizisten. "Hogesa 26.10.14 - ich war dabei", nennt sich eine eigens für den schwärmerischen Rückblick gegründete Facebook-Gruppe.

Einer erzählt da stolz von Prügeleien mit Polizisten und seiner Wunde am Hinterkopf. Andere genießen spürbar, dass sie bei Politik und Medien Eindruck hinterlassen haben: "Endlich bewegt sich etwas!", heißt es. Oder: "Das nächste Mal vor allem in BERLIN. Direkt vor der Haustür dieser Politclowns!"

"Einfach nur geil"

Im Chat einer anderen HoGeSa-Website strotzen die Kommentare geradezu vor Kraft: "Niemand kann uns stoppen, am 9. November stürmen wir mit mehr Leuten den Bundestag." Oder: "Es ist einfach nur geil, das wir endlich mal das Maul aufmachen, ich hoffe, es werden noch viel mehr beim nächsten mal."

Der Blick auf die die Äußerungen im Netz offenbart aber auch, wie heterogen die Szene ist, aus der sich der Demonstrationszug am Sonntag in Köln formiert hatte. Schon während der Kundgebung distanzierte sich ein Großteil der Hools von den Rechtsradikalen. Nur wenige Meter daneben sollen sich Neonazis mit Springerstiefeln versammelt haben.

Gegen die links-liberale Verschwörung

Auch in den Online-Forenvermischen sich die Gruppen. Auf der einen Seite Hooligans, die jede Verbindung zu Rechtsradikalen bestreiten, auf der anderen offen völkisch-ausländerfeindliche Kommentatoren. Bei Facebook steht die Gruppe Es finden sich offen rechtsextremistische Forderungen wie auch antisemitische Anspielungen. Vieles erinnert auch an die in NPD-Kreisen üblichen Verschwörungstheorien, nach denen Medien und Politiker systematisch daran arbeiten, die deutsche Bevölkerung auszubeuten.

Vor diesem Hintergrund kritisieren manche Nutzer sogar die Krawalle von Köln. "Warum habt ihr die Polizei angegriffen? Warum nicht Hassprediger wie Pierre Vogel oder andere schräge Kreaturen?", fragt einer. So gebe man Grünen, Linken und Islam-Freunden aus Medien und Politik doch nur Argumente in die Hand.

Hier geht es zur Infostrecke: Das sind die "Hooligans gegen Salafisten"

(pst)
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