Staatsakt für Flutopfer: Köhler: "Wir trauern mit Ihnen"

Staatsakt für Flutopfer : Köhler: "Wir trauern mit Ihnen"

Berlin (rpo). Zum Gedenken an die Opfer der Flutkatastrophe in Südasien hatte Bundepräsident Horst Köhler die höchste staatliche Veranstaltung die es in Deutschland gibt, einen Staatsakt, angeordnet. Dabei drückte Köhler im Bundestag den Angehörigen der Toten sein tiefes Mitgefühl aus und dankte den vielen Helfern.

"Ich möchte Ihnen sagen: Wir können Ihren Schmerz kaum ermessen, doch wir trauern mit Ihnen", betonte Köhler am Donnerstag in seiner Rede bei dem Staatsakt für die Opfer der Flutkatastrophe laut vorab verbreitetem Redetext. "Alle, die schon einmal einen geliebten Menschen verloren haben, wissen, wie sich die Leere anfühlt, die der Tod hinterlässt".

Ausdrücklich dankte Köhler den vielen deutschen Helfern vor Ort für ihre Leistungen. Die Spendenbereitschaft der deutschen würdigte er als Zeichen dafür, dass die Menschen helfen, wenn es darauf ankomme. Er mahnte aber auch einen verantwortungsvollen Umgang mit den Hilfsgeldern an.

"Furchtbar ist die Anspannung für Verwandte und Freunde von Vermissten", sagte Köhler. Jeden Tag werde die Hoffnung kleiner, dass sie zurückkehrten. "Von vielen werden wir nicht einmal wissen, wo sie geblieben sind."

"Ich weiß, dass diese jedem Einzelnen, den dieses Schicksal trifft, fast übermenschliche Kräfte abverlangt. Wir versichern Ihnen: Was getan werden kann, um Gewissheit zu bekommen, das wird getan." Das Staatsoberhaupt betonte, dass seine Gedanken auch bei den aus der Flutregion zurückgekehrten Verletzten seien.

Köhler mahnte aber auch einen sorgsamen Umgang mit den Spendenmitteln an. "Mit den umfangreichen Hilfsgeldern ist auch eine große Verantwortung verbunden. Die Menschen knüpfen an ihre Spenden mit Recht Erwartungen", unterstrich er. Die von der Bundesregierung bereitgestellte Hilfe in Höhe von 500 Millionen Euro nannte er einen angemessenen Betrag.

Köhler hofft auf anhaltende Hilfsbereitschaft

Es müsse gelingen, dass die zerstörten Küstenregionen nachhaltig wieder aufgebaut würden, sagte Köhler. Dazu gehöre auch die Einrichtung eines Tsunami-Frühwarnsystems. Wichtig sei, dass die Menschen vor Ort die Aufbauarbeit selbst in die Hand nehmen würden. "Sie dürfen nicht bloße Empfänger bleiben und nicht in eine Dauerabhängigkeit von fremder Hilfe geraten", mahnte das Staatsoberhaupt. Das Prinzip "Hilfe zur Selbsthilfe" gelte auch in diesem Fall.

Der Bundespräsident erinnerte auch an den seit Jahren währenden Bürgerkrieg in der Unglücksregion Aceh. In den ersten Stunden nach der Flut hätten sich Menschen aus verfeindeten Gruppen spontan gegenseitig geholfen. "Diesen spontanen menschlichen Impuls sollten die Konfliktparteien aufgreifen und endlich Frieden schaffen", sagte er.

Köhler verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, dass die während der Flutkatastrophe bewiesene Hilfsbereitschaft anhalten werde. "Ich wünsche mir, dass dieses Bewusstsein, 'wir müssen für den anderen da sein' anhält", sagte er.

Stichwort: Staatsakt

Zum Gedenken an die vielen Tausend Opfer der Flutkatastrophe in Südasien hat Bundespräsident Horst Köhler einen Staatsakt angeordnet. Ein Staatsakt ist die höchste staatliche Veranstaltung, die es in Deutschland gibt. Sie bezeichnet einen politische Akt im feierlichen Rahmen, an dem die höchsten Repräsentanten aller Verfassungsorgane teilnehmen.

Das sind neben dem Bundespräsidenten, der Bundesregierung, Bundestag und Bundesrat auch das Bundesverfassungsgericht. Angeordnet wird ein Staatsakt durch den Bundespräsidenten. Mit einem Staatsakt werden auch verstorbene Bundeskanzler, Bundespräsidenten oder andere prominente Politiker geehrt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Staatsakt zum Gedenken der Flutopfer

(ap)