Knapp 400 Millionen Euro Entwicklungshilfe für den Kosovo

Entwicklungshilfe : Knapp 400 Millionen Euro für den Kosovo

Deutschland ist bei der Entwicklungszusammenarbeit mit dem Kosovo die größte Gebernation. Doch die Perspektiven bleiben düster.

Deutschland hat für die Stabilisierung des Kosovo seit 1999 knapp 400 Millionen Euro allein an Entwicklungshilfe aufgewendet. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervor. In den letzten beiden Jahren hätten dadurch beispielsweise 10.500 Menschen eine Beschäftigung gefunden oder Unterstützung bei der Existenzgründung erhalten. Dennoch ist die Perspektive insgesamt weiterhin schlecht. „Eine selbsttragende Entwicklung ist bis auf Weiteres nicht abzusehen“, erklärte Linken-Entwicklungsexpertin Helin Evrim Sommer zum Zustand und zu den Perspektiven des kleinen 1,8-Millionen-Staates.

Ernüchternd fällt auch die Analyse des Entwicklungsministeriums aus. Auf der Nachfrageseite sei der Privatsektor im Kosovo „weiterhin schwach entwickelt“, die Unternehmen produzierten oft nicht auf EU-Standard und könnten daher auch nicht in die EU exportieren. Hinzu komme, dass der politische Status und die geringe Größe des Marktes ausländische Investitionen erschwerten. Die Produktivität der überwiegend sehr kleinen Unternehmen werde durch die „unzureichende Qualifikation vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingeschränkt“. Wegen einer nur schwachen Zusammenarbeit der Wirtschaft mit Bildungsinstitutionen sei die Suche nach geeigneten Fachkräften schwierig. Schließlich hätten handwerkliche Berufe eine sehr geringe Reputation, was auch zu einer „vergleichsweise hohen Akademikerquote“ führe.

Das hohe Engagement Deutschlands kommt auch in der Zahl der aktuell im Kosovo beschäftigten Mitarbeiter zum Ausdruck. 194 Beschäftigte sind nach Auskunft des Ministeriums derzeit mit der Umsetzung der Projekte befasst, darunter 170 lokale und 24 internationale Fachkräfte. Aus Sicht der Linken steht der Kosovo exemplarisch für das wirtschaftliche Scheitern von einseitigen nationalen Abspaltungen, Dadurch seien auch historisch gewachsene wirtschaftliche Verbindungen gekappt worden, so dass der Kosovo „auf längere Sicht auf die Alimentierung von außen angewiesen sein wird“, unterstricht Sommer.

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