Klimaschutzbericht 2018:Umweltbundesamt für geringere Tierbestände

Forderung von Behörde: Bauern sollen weniger Tiere halten dürfen - für das Klima

Der Klimaschutzbericht der Bundesregierung stößt beim Umweltbundesamt und bei den Grünen auf Kritik. Sie sehen auch die Klimaziele für das Jahr 2030 in Gefahr. Für die Landwirtschaft schlägt die Behörde eine Reduzierung der Tierbestände vor.

Das Umweltbundesamt (UBA) hat die bisherigen Maßnahmen der Bundesregierung für den Klimaschutz als nicht ausreichend kritisiert. UBA-Chefin Maria Krautzberger sagte unserer Redaktion: „Der Klimaschutzbericht 2018 zeigt erneut, dass Deutschland – noch – nicht genug unternimmt, um die Ziele im Klimaschutz zu erreichen.“ Hier müsse dringend nachgesteuert werden, „die Maßnahmen waren und sind nicht ausreichend“, so Krautzberger. Für die Landwirtschaft etwa schlägt sie eine Reduzierung der Tierbestände vor.

Das Bundeskabinett hatte den Bericht vor einer Woche verabschiedet. Daraus geht hervor, dass das angestrebte Klimaschutzziel für das kommende Jahr, nämlich eine Senkung der Treibhausgasemissionen um 40 Prozent gegenüber 1990, nicht erreicht werden kann. Ferner sind in dem Bericht Maßnahmen beschrieben, wie Deutschland zumindest die weiteren Klimaziele in den Jahren erreichen will. Dann sollen bis 2030 mindestens 55 Prozent und bis 2050 gar 80 bis 95 Prozent der Emissionen im Verhältnis zu 1990 eingespart werden. Vor dem Hintergrund des Pariser Klimaschutzabkommens sind diese Ziele verpflichtend.

Doch bisher sind die Emissionen insgesamt kaum gesunken, trotz eines Maßnahmenprogramms der Regierung. Krautzberger macht den Verkehrssektor als Hauptquelle aus. „Das Aktionsprogramm Klimaschutz 2020 hat die gewünschte Wirkung deutlich verfehlt“, sagte sie. Besonders gelte das für den Verkehrssektor – dort stiegen die Emissionen an, statt zu sinken. „Dies liegt am weiterhin wachsenden Verkehr, insbesondere beim Gütertransport, sowie am ungebrochenen Trend zu immer größeren, schwereren Autos mit höherer Motorisierung.“

Auch die Grünen üben scharfe Kritik und werfen dem amtierenden Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) mangelndes Interesse am Klimaschutz vor. „Die ohnehin schwachen Ziele für das Jahr 2020 werden krachend verfehlt, weil Scheuer die längst beschlossenen Maßnahmen immer weiter verschleppt“, sagte Stephan Kühn, Sprecher für Verkehrspolitik der Grünen-Bundestagsfraktion. Bis 2030 müsse der Verkehrsminister mehr als 70 Millionen Tonnen im Verkehr einsparen, doch bis 2020 bringe das Aktionsprogramm noch nicht einmal zwei Millionen. „Erst zwei Prozent des Weges bis 2030 hat der Minister geschafft. Scheuer reißt nicht nur die Messlatte für 2020, sondern torpediert nun auch die Klimaschutzziele für 2030“, so Kühn.

Im Klimaschutzbericht widmet sich ein eigenes Kapitel den bisherigen und geplanten Maßnahmen im Verkehrssektor. So sollen der Güter- und der Personenverkehr klimafreundlicher werden, es wird auf einen verstärkten Einsatz alternativer Kraftstoffe und mehr Elektromobilität gesetzt. Der Bericht verweist etwa auf die von der Koalition geplante Sonderabschreibung für gewerblich genutzte E-Fahrzeuge.

Krautzberger nimmt aber auch den Agrarsektor in den Blick. „Um das Einsparziel für 2030 zu erreichen, muss sich die Branche technisch und strukturell stark wandeln“, sagte sie. „Dazu zählt aus unserer Sicht zum Beispiel der Abbau der Tierbestände als sehr wirksame Maßnahme, um Treibhausgasemissionen zu senken.“ Sie dringt zudem auf schnelle Beschlüsse zum Kohleausstieg. Die Ergebnisse der  sogenannten Kohlekommission stimmen sie hoffnungsvoll, dass aus der Energiewirtschaft ein zusätzlicher Beitrag bis 2020 zu erwarten sei. „Vorausgesetzt, es wird rasch entschieden, wie die beabsichtigte Stilllegung der Kohlemeiler umgesetzt werden soll“, mahnte Krautzberger.

Mehr von RP ONLINE