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Klimaschutz: Fridays for Future-Bewegung macht der Ampel Druck

„Zeit der Ausreden vorbei“ : Fridays for Future-Bewegung macht der Ampel beim Klimaschutz Druck

Die Jugendbewegung „Fridays for Future“ macht der Ampelkoalition Druck: Das Sondierungspapier von SPD, Grünen und FDP reiche nicht aus, um die Pariser Klimaziele zu erreichen. Diese Bundesregierung sei die letzte, der das noch möglich sei. Aussterben wie die Dinosaurier im Naturkundemuseum – das will die Jugend nicht.

Luisa Neubauer und Annika Rittmann denken und sprechen in einem so ransanten Tempo, dass Zuhörer kaum mitkommen. Die beiden Specherinnen von Fridays for Future haben ihr Denken und Sprechen offenbar der Geschwindigkeit angepasst, die sie sich von der neuen Bundesregierung beim Klimaschutz wünschen.

Rasend schnell müsse die Ampelkoalition tätig werden. Sie werde die letzte Bundesregierung sein, die überhaupt noch die Chance habe, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, wie es die Parteien im Bundestagswahlkampf versprochen hatten, sagt Rittmann. Fridays for Future ist nicht zufrieden mit dem, was die Ampelparteien nach der Bundestagswahl vorgelegt haben: SPD, FDP und Grüne würden sich in den Sondierungen gegenseitig die Klimaschutzmaßnahmen „abverhandeln“, statt sie alle gleichzeitig anzupacken, was notwendig sei, beklagt Neubauer im Berliner Naturkundemuseum vor dem riesigen Dinousaurier-Skelett, das dort im Foyer steht.

Die Jugendbewegung hat diesen Tag für ihre Pressekonferenz ausgesucht, weil er der Tag vor Beginn der offiziellen Koalitionsverhandlungen von SPD, Grünen und FDP am Donnerstag ist. Um ihren Aufruf zu untermauern, haben sich Neubauer und Rittmann zwei Wissenschaftler zur Seite gestellt, die dieselbe Botschaft eindrucksvoll rüberbringen. Für diesen Freitag hat Fridays vor Future außerdem zu einem neuen „Klima-Streik“ von Schülerinnen und Schülern vor dem Brandenburger Tor aufgerufen, zehntausend junge Leute werden erwartet.

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Gemeinsam mit der Wissenschaftler-Vereinigung Scientists for Future hat die Jugendbewegung einen Forderungskatalog mit sechs zentralen Punkten ausgearbeitet. Für die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad fordern sie die Verabschiedung eines 1,5-Grad-konformen CO2-Budgets sowie den Beschluss des Erdgasausstiegs bis spätestens 2035. Weitere Forderungen sind ein verbindlicher Kohleausstieg bis 2030, die Versiebenfachung der Kapazität der erneuerbaren Energien, ein Einbaustopp für fossile Verbrennermotoren ab 2025 sowie ein sofortiger Neu- und Ausbaustopp für Autobahnen und Bundesstraßen. Für die internationale Klimafinanzierung sollen jährlich mindestens 14 Milliarden Euro festgelegt werden. „Wir sprechen nicht von der Begrünung der Regierungsarbeit, wir sprechen von vollumfänglichen Systemveränderungen, die anstehen. Ein ,Weiter so´ in ökoliberal ist zum Scheitern verurteilt“, sagt Neubauer.

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Volker Quaschning von „Scientists for Future“ und Professor für regenerative Energiesysteme in Berlin, sagt, die globale Erderwärmung habe bereits jetzt gut 1,1 Grad erreicht. Der Menschheit bleibe viel weniger Zeit, als bisher angenommen worden sei. Der Umwelt-Sachverständigenrat der Bundesregierung habe ausgerechnet, dass Deutschland bereits 2030 klimaneutral wirtschaften müsse, wenn das 1,5-Grad-Ziel noch erreicht werden soll. Dass auch Ampel-Politiker dies noch nicht verstanden hätten, sei aus Wissenschaftler-Sicht „ärgerlich“, so Quaschning. Angesichts der nach der Corona-Pandemie wieder ansteigenden Emissionen seien noch radikalere Einschnitte nötig, um die angestrebte Klimaneutralität zu erreichen. „Die neue Regierung muss die Politik radikal korrigieren“, sagt Quaschning.

Nötig sei eine Halbierung der Treibhausgasemissionen weltweit in den kommenden zehn Jahren, eine enorme Herausforderung für die Politik, sagt auch Niklas Höhne, einer der führenden Autoren von Berichten des Weltklimarates und Gründer des New Climate Institute. „Wir befinden uns in einer Notfallsituation.“

Drei Jahre habe die Bewegung alles gegeben, „was wir konnten“, sagt Neubauer zum Schluss. Aber aufgeben werde Fridays for Future nicht. Aussterben wie die Dinosaurier, das wollen die jungen Menschen nicht.