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Generationenbarometer 2009: "Kindererziehung immer schwerer"

Generationenbarometer 2009 : "Kindererziehung immer schwerer"

Berlin (RP). Kindererziehung ist in den vergangenen Jahren schwieriger geworden. Dieser Ansicht ist knapp die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland. Über egoistisches Verhalten ihrer Sprösslinge beklagen sich immerhin 27 Prozent der Mütter und Väter mit Kindern über zehn Jahren, wie aus dem "Generationenbarometer" hervorgeht.

Es wird alle drei Jahre im Auftrag des Forums Familie erhoben. Unterstützt wird der Verein unter anderem von den beiden christlichen Kirchen, dem ehemaligen Verfassungsrichter Udo Di Fabio und Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU).

Der Trend moderner Erziehung: Eltern setzen nicht mehr auf ihre Autorität, sondern diskutieren mit dem Nachwuchs, was richtig und was falsch ist. Zugleich beklagen sie, dass die lieben Kleinen zu viel fernsehen, zu viel vor dem Computer hocken, zu früh Alkohol und Zigaretten konsumieren und sich zu wenig bewegen. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung meint, dass Kinder heutzutage zu sehr verwöhnt werden und zu viele Wünsche erfüllt bekommen.

"Die Kindererziehung ist eine Gratwanderung. 89 Prozent der Eltern wollen ihren Kindern heute Selbstbewusstsein vermitteln und dazu beitragen, dass sich ihre persönlichen Fähigkeiten entfalten", sagt Renate Köcher, Chefin des Meinungsforschungsinstituts Allensbach. "Wenn Eltern dann feststellen, dass sie kleine Egoisten im Haus haben, ist das die Kehrseite der Erziehung zu einer willensstarken Persönlichkeit."

Erziehungsideale früherer Generationen wie Fleiß, Bescheidenheit und Anpassungsbereitschaft sind bei den Eltern heutzutage deutlich weniger gefragt. Sekundärtugenden wie Pünktlichkeit und Ordnung sind allerdings noch von etwa zwei Dritteln erwünscht.

Die jüngere Generation weiß den liberalen Erziehungsstil offenbar zu schätzen. Während nur 49 Prozent der über 60-Jährigen angeben, dass sie eine glückliche Kindheit hatten, sind dieser Meinung 67 Prozent der 16- bis 29-Jährigen.

Individuell wird Familienleben in Deutschland sehr positiv wahrgenommen. So gaben 80 Prozent der Befragten an, dass der Zusammenhalt in ihrer Familie sehr stark sei. Familien mit Kindern unter sechs Jahren gelten als die glücklichste Bevölkerungsgruppe. Eltern klagen zwar, Erziehung sei anstrengend, zwei Drittel empfinden sie aber als Bereicherung. 42 Prozent meinen gar, sie mache Spaß.

Familienministerin von der Leyen sieht Zeit als Schlüssel zum Erfolg eines glücklichen Familienlebens: "Zeit füreinander bringt Zufriedenheit, Stabilität und Qualität für die Beziehungen." Den Vätern will sie noch mehr davon geben: Sie kündigte an, nach der Bundestagswahl die Babymonate für Väter beim Elterngeld auszuweiten, nannte aber noch keine Details.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Ursula von der Leyen

(RP)