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In Zeitungen oder Zeitschriften: Kein TV-Duell zwischen Stoiber und Lafontaine

In Zeitungen oder Zeitschriften : Kein TV-Duell zwischen Stoiber und Lafontaine

Frankfurt/Main (rpo). Das mit großer Spannung erwartete Fernsehduell zwischen Edmund Stoiber und Oskar Lafontaine wird es nicht geben. Der bayerische Ministerpräsident, der den Linkspartei-Spitzenkandidaten am Sonntag öffentlich zu einem Streitgespräch herausgefordert hatte, ließ am Montag mitteilen, er stehe lediglich zu einem "Print-Duell" zur Verfügung.

Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel dementierte unterdessen einen Zeitungsbericht, wonach sie Stoiber dazu bewogen habe, das TV-Duell mit Lafontaine platzen zu lassen.

Die "Leipziger Volkszeitung" hatte berichtet, die CDU-Chefin habe es als "unmöglich" bezeichnet, wenn eigene Mitstreiter die Linkspartei-Kandidaten auf Augenhöhe mit der Unionsspitze heben würden. Merkel erklärte dagegen, sie habe mit Stoiber darüber kein einziges Wort geredet.

CSU-Sprecher Andreas Hock begründete die Entscheidung Stoibers mit dem Hinweis, dass der Parteichef keineswegs von einem Fernsehduell, sondern lediglich von einem "Schlagabtausch" gesprochen habe. Mit Hilfe eines Print-Duells könnten sich die Menschen "Schwarz auf Weiß" mit den Argumenten beider Seiten vertraut machen, argumentierte der Parteisprecher. Außerdem wolle Stoiber keine "Show" abziehen, sondern in dem schriftlichen Streitgespräch auf die negativen Folgen einer Stärkung der Linkspartei hinweisen.

In welcher Form das Duell nun in Zeitungen oder Zeitschriften geführt werden soll, war zunächst unklar. Nach CSU-Angaben liegen bereits mehrere Angebote von Printmedien vor.

Linkspartei und Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) beharren auf ein Fernsehduell. Die Anfragen von Fernsehstationen, die dieses Streitgespräch veranstalten wollten, häuften sich, erklärte Linkspartei-Sprecher Hendrik Thalheim in Berlin. Einem Bericht der Berliner "BZ" zufolge hatten sich bereits Sat.1 und N24 bei Stoiber und Lafontaine um die Ausstrahlung bemüht. Auch ARD, ZDF, RTL und n-tv erwägten eine mögliche Ausstrahlung, berichtete die Zeitung.

Thalheim sagte, ein bundesweit empfangbares Fernsehduell würde im Gegensatz zu einem Zeitungsgespräch einer größeren Zuschauerzahl kostenlos die Möglichkeit zur Meinungsbildung geben. Deshalb sollte eine Entscheidung über Ort und Verbreitung des Duells in Ruhe überdacht werden. WASG-Sprecher Murat Cakir forderte Stoiber auf, "nicht zurückzurudern, sondern sich dem TV-Duell mit Lafontaine zu stellen". Zuvor hatte Lafontaine selbst seine Vorfreude auf ein TV-Duell bekundet und erklärt, er nehme Stoibers Angebot "mit dem größten Vergnügen" an.

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"Ich finde das zumindest mutig"

Stoibers ehemaliger Wahlkampfmanager Michael Spreng sagte dem Berliner "Tagesspiegel", es sei ihm völlig unverständlich und "taktisch ein ganz schwerer Fehler", die Linkspartei mit einem solchen Schlagabtausch politisch aufzuwerten. Auf die Frage, ob Stoiber gegen den Selbstdarsteller Lafontaine überhaupt eine Chance habe, antwortete Spreng: "Ich finde das zumindest mutig." Der bayerische Innenminister Günther Beckstein äußerte grundsätzliche Zweifel an dem Duell. Dies sei nicht unbedingt das Richtige", sagte der CSU-Politiker in N24.

Bundeskanzler Gerhard Schröder nannte das Angebot Stoibers an Lafontaine lächerlich. Er selbst schloss im MDR ein Streitgespräch mit dem Ex-SPD-Chef kategorisch aus.

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(ap)