Der Rücktritt des Bundespräsidenten im Internet: Kein Mitleid für Wulff im Netz

Der Rücktritt des Bundespräsidenten im Internet : Kein Mitleid für Wulff im Netz

Der Rücktritt von Christian Wulff hat eine Flut von Reaktionen im Internet ausgelöst. Seine Entscheidung, das Amt des Bundespräsidenten niederzulegen, findet fast einhellig Zustimmung.

Die Wulff-Affäre wird auf Twitter, Facebook und Google+ im Sekundentakt kommentiert. "Na also - geht doch. Können wir uns endlich wieder mit wichtigen Dingen befassen", schreibt Michael Freitag auf Google+ - schon eine Stunde vor der Erklärung des Bundespräsidenten. "Ich finde, Wulff muss seinen Rücktritt gar nicht mehr erklären. Wir verstehen das auch so", twittert der Social-Media-Journalist Lars Wienand etwa zur gleichen Zeit.

Kritische Reaktionen im Netz

Als dann Christian Wulff um 11 Uhr vor den Kameras die entscheidenden Worte spricht, bricht eine gewaltige Flut im Netz los. Die ersten Reaktionen auf Twitter sind weit kürzer als die möglichen 140 Zeichen: "Das wars" oder "tschüss". Schon 30 Sekunden nach dem Rücktritt war auch schon der Wikipedia-Artikel zu Wulff aktualisiert. Und die Mitte Dezember 2011 gestartete Webseite "istchristianwulffnochimamt.de" antwortet nun: "Nein!"

Auch der Inhalt von Wulffs Rede löst vor allem kritische Reaktionen aus. Kaum Verständnis zeigt sich die Netzgemeinde über Wulffs Satz: "Die Berichterstattungen, die wir in den vergangenen zwei Monaten erlebt haben, haben meine Frau und mich verletzt." Ein User bei Twitter schreibt etwa: "Und #Wulff hat bis zum Ende keine Reue gezeigt". Ein anderer: "Die peinliche Rede bestätigt, dass #Wulff zu Recht zurückgetreten wurde."

Betroffener reagiert die gehörlose Bloggerin Julia Probst, die schon früher die Körpersprache Wulffs vor der Kamera analysiert hat:
"Erschreckend, wie sehr Wulff gealtert ist! Und noch erschreckender die Kälte seiner Frau ihm gegenüber!" Auf Twitter fügt sie weiter hinzu: "In meinen Augen wurde beim Abgang der Wulffs eindeutig die mediale Chance verpasst zu zeigen: "Wir halten immer noch zusammen als Familie.""

Kaum Mitgleid für Wulff

Aber auch Mitleid gibt es für Christian Wulff. Auf Facebook schreibt Melanie Schröer: "Schade eigentlich". Auch auf Twitter findet man vereinzelnd verständnisvolle Kommentare: "Sagt was ihr wollt, aber ich find's schade... Politiker haben wirklich schon schlimmeres angestellt" oder "Der ist doch auch nur ein Mensch! Einfach nur lächerlich das ganze!"

Auch erste Umfragen im Netz zeigen ein eindeutiges Meinungsbild. In einer nicht repräsentativen Umfrage der ARD-"Tagesschau" zur Frage "Sollte Wulff zurücktreten?" klickten bis kurz vor der Entscheidung 92,1 Prozent der knapp 40.000 Teilnehmer auf "Ja" und 6,4 Prozent auf "Nein". Nur 1,4 Prozent hatten keine Meinung.

Nachfolger-Debatte löst Kritik ab

Eine Stunde nach dem Rücktritt ist das Thema fast schon Abgeschlossen.
Die Suche nach dem Nachfolger tritt in den Vordergrund. Der hessische SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel mahnt auf Twitter: "Jetzt sind alle gefordert, die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Dies gilt fuer die Nachfolge wie für Transparenzregeln." Die Namen, die in den Parteien gehandelt werden, sind allerdings nicht unbedingt die gleichen, die das Netz in die Diskussion bringt.

So hätten manche gern die Politische Geschäftsführerin der Piratenpartei, Marina Weisband, als Bundespräsidentin - dabei hat diese doch kürzlich auf eine weitere Kandidatur fürs Parteiamt verzichtet, um erstmal ihre Diplomarbeit zu schreiben. Wer im Netz gar nicht gut ankommt, ist die Arbeitsministerin Ursula von der Leyen. Ihr nimmt die Netzgemeinde immer noch übel, dass sie 2009 die Sperrung von Webseiten als Mittel im Kampf gegen Kinderpornografie vorgeschlagen hat.

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(dpa/rm/sap)