Kommentar zu Roland Koch: Kein Gesetz der Serie

Kommentar zu Roland Koch : Kein Gesetz der Serie

Nach dem Rücktritt des ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) als Vorstandschef beim Baukonzern Bilfinger stellt sich die Frage, ob Politiker grundsätzlich kein Wirtschaftsmanagement können. Die Antwort muss Nein lauten.

Es ist richtig, dass auch ein erfahrener und talentierter Politik-Profi wie Roland Koch in kaltes Wasser springt, wenn er den Posten eines Konzern-Lenkers übernimmt — das sind völlig andere Aufgaben, andere Systeme. Zumal, wenn ein Unternehmen an der Börse notiert ist. Allein schon der Umgang mit den Anlegern und mächtigen Anteilseignern erfordert andere Fähigkeiten als die Winkelzüge im Umgang mit Parteifreunden und -gegnern.

Allerdings finden sich in der deutschen Politik- und Wirtschaftsgeschichte auch zahlreiche Beispiele dafür, wie der Wechsel eines Politikers zu einem Unternehmen dem Betrieb gut tun kann. Lothar Späth etwa, einst CDU-Ministerpräsident von Baden-Württemberg, übernahm nach der Wiedervereinigung die Geschäfte bei der Jenoptik GmbH und führte sie erfolgreich an die Börse. Matthias Wissmann, ebenfalls CDU-Mitglied, war 1993 Bundesminister für Forschung und Technologie, von 1993 bis 1998 Bundesverkehrsminister und wechselte 2007 direkt nach seinem Ausscheiden aus dem Bundestag ins Amt als Präsident des Verbandes der Automobilindustrie. Seitdem hat er den Posten inne. Die Causa Koch belegt also noch lange kein Gesetz der Serie.

Unterm Strich bleibt vielleicht die Erkenntnis, dass einstige Politiker gut beraten wären, auch als neue Mitarbeiter eines Unternehmens bei ihren Leisten zu bleiben. Denn der Job eines Lobbyisten zum Beispiel dürfte für politische Profis deutlich schneller in Fleisch und Blut übergehen, als der eines an exponierter Stelle sitzenden Vorstandsvorsitzenden. Zumindest würden sie wohl kaum wegen zwei Gewinnwarnungen ihres Arbeitgebers den Hut nehmen müssen. Ex-Kanzleramtschef Ronald Pofalla (CDU) verfolgt diese Strategie nun bei der Bahn, der ehemalige FDP-Chef Philipp Rösler als Vertreter des Weltwirtschaftsforums und der einstige Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (ebenfalls FDP) als Türöffner für die Rüstungsindustrie.

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