Kampf gegen Resistenzen: Bessere Tierhaltung - weniger Antibiotika

Kommentar : Bessere Tierhaltung - weniger Antibiotika

Die Menschheit ist von Keimen bedroht, gegen die kein Antibiotikum mehr wirkt. Der übermäßige Einsatz von Antibiotika insbesondere in Tierställen muss gestoppt werden, ansonsten entstehen immer mehr resistente Keime.

Das Thema der weit verbreiteten Antibiotika-Resistenzen kann man gar nicht überschätzen: die widerstandsfähigen und sich schnell anpassenden Keime sind eine Bedrohung für die Menschheit. Zum Glück ist das Problem bereits erkannt: Weltweit muss der Antibiotika-Einsatz eingedämmt werden. Denn die übermäßige Gabe an Mensch und Tier führt dazu, dass die Keime resistent werden können. Bei den Industriestaaten-Treffen G7 und G20 sind bereits entsprechende Strategien entwickelt worden, den Antibiotika-Einsatz zu drosseln. Allerdings müsste die Umsetzung schneller und konsequenter vorangehen.

Auch in Deutschland werden weiterhin viel zu viele Antibiotika in Arztpraxen verschrieben und in Tierställen verabreicht. In der Schweinemast konnten die Mengen reduziert werden. Das ist ein Fortschritt. Doch beim Geflügel ist kein Umsteuern in Sicht. Hühner und Puten werden immer noch mit Antibiotika vollgepumpt, bevor es zur Schlachtbank geht. Skandalös ist, dass dabei zu 40 Prozent Antibiotika eingesetzt werden, die eigentlich als Notfall- oder Reserve-Arzneien eingestuft sind. Sie sollten nur dann zum Einsatz kommen, wenn ein gängiges Antibiotikum wegen resistenter Keime versagt. Je häufiger die Reserve-Mittel genutzt werden, desto mehr weitere Resistenzen entstehen. Dieser Entwicklung muss dringend Einhalt geboten werden.

Ohne strengere Regeln und bessere Kontrollen wird sich das Problem nicht lösen lassen. Dabei könnte man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Denn die Konsequenz aus weniger Antibiotika-Einsatz wäre eine für das Wohl der Tiere bessere Haltung. Der übermäßige Medikamenteneinsatz geschieht dort, wo Tiere auf zu engem Raum gehalten werden. Weniger Massentierhaltung könnte also auch den Antibiotika-Einsatz eindämmen.

Auch in der Humanmedizin braucht es mehr Ehrgeiz, um den Verbrauch von Antibiotika herunterzufahren. Es gibt viele Ärzte, die diese Medikamente erst nach gründlicher Analyse verschreiben. Es existieren aber auch noch die Praxen, in denen in der Sorglosigkeit des vergangenen Jahrhunderts jede stärkere Erkältung mit einem Antibiotikum beschossen wird. Das ist einfach nur fahrlässig gegenüber denjenigen, die dringend auf Heilung durch ein Antibiotikum angewiesen sind. In den Kliniken wiederum ist der wichtigste Punkt die Hygiene. Dort konnten multiresistente Keime – also Bakterien, gegen die kein Antibiotikum mehr hilft – auch entstehen, weil die Hygienevorschriften nicht richtig eingehalten wurden. Ärzte und Pflegepersonal können sich nicht oft genug vor Augen führen, dass von ihrer Hygiene Menschenleben abhängen.

(qua)
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