Kampf gegen resistente Keime: Stalltiere sollen weniger Antibiotika bekommen

Resistente Keime : Weniger Antibiotika für Stalltiere

Die Antibiotika-Mengen für Stalltiere sind zurückgegangen. Die Grünen bemängeln, dass dafür die Dosierung gestiegen sei. Zu viele Antibiotika fördern resistente Keime.

Im Kampf gegen übermäßigen Einsatz von Antibiotika in der Tierzucht und daraus entstehende resistente Keime hat Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) einen ersten Erfolg vermeldet. Demnach hat sich zwischen 2014 und 2017 die Gesamtmenge der eingesetzten Antibiotika in der Tierhaltung um rund 93 Tonnen auf noch 204 Tonnen jeweils im Zeitraum eines Jahres verringert. Fortschritte gibt es vor allem bei der Schweinemast, während der Antibiotikaverbrauch für die Geflügelzucht weiterhin auf hohem Niveau liegt.

„Unter dem Strich ist das Gesamtergebnis erfreulich: Die Gesamtverbrauchsmenge bei unseren Nutztierarten ist um über 30 Prozent gesunken“, sagte Klöckner unserer Redaktion. Sorge mache ihr aber der noch zu hohe Anteil der sogenannten Reserveantibiotika beim Mastgeflügel. So sind 40 Prozent aller Antibiotika, die  Hühner und Puten bekommen, eigentlich nur für den dramatischen Fall gedacht, dass wegen resistenter Keime ein gängiges Antibiotikum nicht anschlägt. Je häufiger solche Reserveantibiotika für Mensch und Tier genutzt werden, desto größer ist die Gefahr, dass weitere resistente Keime entstehen.

Die globale Bedrohung für Menschen und Tiere durch Keime, gegen die nur noch wenige oder sogar keine Antibiotika mehr wirken, hat die Weltgesundheitsorganisation schon vor Jahren auf den Plan gerufen. Bei den Treffen der Industriestaatengruppen G7 und G20 wurden bereits Pläne verabschiedet, dieser Gefahr entgegenzuwirken – vor allem durch einen reduzierten Einsatz von Antibiotika und bessere Hygienemaßnahmen sowohl in Tierställen als auch in Krankenhäusern.

Die Zahl der Todesfälle von Menschen durch resistente Erreger wird nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums auf 2180 pro Jahr geschätzt. Europaweit sterben jährlich rund 33.000 Menschen, die mit resistenten Erregern infiziert sind.

Während das Landwirtschaftsministerium im Kampf gegen die resistenten Keime vor allem darauf setzt, weniger Antibiotika zu geben, baut das Gesundheitsministerium zurzeit eine Datenbank auf.  Mit ihrer Hilfe soll ein Austausch unter den Ärzten stattfinden, wann welches Antibiotikum auch in schwierigen Fällen noch wirkt. Außerdem sollen neue Antibiotika gegen resistente Keime erforscht werden. In der Humanmedizin ist der Einsatz von Antibiotika nach Angaben des Gesundheitsministeriums seit Jahren relativ stabil. Pro 1000 Versicherte und Tag werden rund 13 Tagesdosen an Antibiotika abgegeben. Der Anteil der Reserveantibiotika wächst allerdings.

Klöckner kündigte als nächste Maßnahme an, sich mit der Geflügelwirtschaft zu treffen, die bislang den Antibiotikaeinsatz bei den Tieren nicht heruntergefahren hat. „Ich schließe neue gesetzliche Regelungen nicht aus, wenn der Einsatz nicht besser wird“, sagte Klöckner.

Nach Einschätzung der Grünen hat sich die Situation bei der Antibiotikagabe in der Tiermast keineswegs gebessert.  „Wenn man genauer hinguckt, hat sich wenig geändert“, kritisierte Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer.  Die verabreichten Mengen hätten sich zwar reduziert, dafür würden jetzt stärker wirksame Antibiotika gegeben. „Und bei Hühnern, Puten und Kälbern ist der Mitteleinsatz eher noch gestiegen, wenn man berücksichtigt, dass jetzt verstärkt höher dosierte Antibiotika verabreicht werden.“ Zudem gebe es bei der  Statistik viele Schlupflöcher, beklagte Krischer.

(qua)
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