Kampf gegen Omikron-Variante Lauterbach will kürzere Quarantäne für wichtige Berufsgruppen

Berlin · Die Angst vor sprunghaft ansteigenden Zahlen durch die Omikron-Variante geht auch in Deutschland um. Noch ist unklar, ob und welche Verschärfungen Bund und Länder am Freitag beschließen. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) schlägt neue Quarantäneregeln vor.

 Karl Lauterbach (SPD), Bundesminister für Gesundheit, kommt zur ersten Kabinettssitzung in diesem Jahr. Foto: Hannibal Hanschke/Pool/dpa.

Karl Lauterbach (SPD), Bundesminister für Gesundheit, kommt zur ersten Kabinettssitzung in diesem Jahr. Foto: Hannibal Hanschke/Pool/dpa.

Foto: dpa/Hannibal Hanschke

Bund und Länder wollen wegen der sich rasant ausbreitenden Coronavirus-Variante Omikron am Freitag neue Maßnahmen beschließen. Eine Vorlage für das Treffen von Bund und Ländern gibt es noch nicht - das soll erst am Donnerstag nach einer offiziellen Empfehlung des Expertenrats vorgelegt werden. Die Gesundheitsminister tagten am Mittwoch allerdings bereits mit Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) zu den Quarantäneregeln.

Was kam heraus?

Die Minister empfehlen, dass die Isolation nach einer Corona-Infektion bei Beschäftigten in wichtigen Bereichen bereits nach fünf Tagen beendet ist. Die Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Petra Grimm-Benne (SPD), sprach von Polizei, Feuerwehr sowie Energie- und Wasserversorgung. Voraussetzung solle ein negativer PCR-Test sein. Minister Lauterbach will für die allgemeine Bevölkerung ein Quarantäne-Ende nach sieben Tagen. Bedingung: Ein negativer PCR-Test. Nach zehn Tagen soll die Absonderung auch ohne Test enden. Generelle Bedingung soll zusätzlich sein, dass man zuvor mindestens 48 Stunden frei von Krankheitssymptomen war. Kinder, die in Schulen oder Horten als Kontaktpersonen eingestuft werden, sollen sich nach fünf Tagen mit anschließendem PCR-Test oder hochwertigem Antigentest „freitesten“ können.

Wie sehen die Zahlen gerade aus?

Hintergrund für die Pläne sind die sprunghaft steigenden Corona-Neuinfektionen in Deutschland und anderen Staaten. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete am Mittwoch 58.912 neue Fälle. Das sind 18.869 mehr als am Mittwoch vor einer Woche. In Frankreich waren am Dienstag 271.686 Neuinfektionen registriert worden, in Großbritannien 218.724. In den USA wurden am Dienstag fast eine Million neue Corona-Fälle an einem Tag gemeldet.

Wie dominant ist Omikron?

Die Omikron-Variante des Coronavirus dürfte nach Einschätzung der Bundesregierung in wenigen Tagen zur dominierenden Variante in Deutschland werden. „Zurzeit gehen wir von einem Omikron-Anteil von 25 Prozent deutschlandweit aus“, so das Bundesgesundheitsministerium. In einigen Bundesländern, insbesondere im Norden Deutschlands,  sei Omikron bereits dominierend. Insofern müsse man davon ausgehen, „dass in kurzer Zeit, in wenigen Tagen Omikron eigentlich auch bundesweit die dominierende Variante sein wird.“

Was ist mit den Impfzielen?

Die Impfkampagne nahm im neuen Jahr wieder etwas an Fahrt auf, hat aber dennoch eine Delle verglichen mit den Zahlen vor den Feiertagen. Am Dienstag ließen sich nach Angaben des RKI 610.730 Personen impfen. Davon waren 478.811 Auffrischungsimpfungen. 47.594 Personen ließen sich erstmals impfen. Die Zahl liegt aber noch weit unter der Marke, die nötig ist, um die von der Regierung angepeilten 30 Millionen Impfungen im Januar zu erreichen. Bundesweit sind 74,3 Prozent der Bürger mindestens einmal geimpft, das ist weit von einer Herdenimmunität entfernt. Es haben sogar nur 40,1 Prozent eine Booster-Impfung erhalten. Diese gilt aber als unerlässlich, um wenigstens vor schweren Verläufen bei einer Omikron-Infektion geschützt zu sein.

Wird Personalausfällen vorgebaut?

Angesichts der anschwellenden Omikron-Welle geht die Sorge vor Personalmangel in der sogenannten kritischen Infrastruktur um, dazu zählen unter anderem Krankenhäuser, Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst oder Strom- und Wasserversorgung. Um Engpässen vorzubeugen oder im Notfall reagieren zu können, soll von Bundesebene unterstützt werden, konkret durch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Nach entsprechenden Abfragen in den Bundesländern durch das BBK sei „im Moment noch alles funktionsfähig“, so der Sprecher. Wenn es zu Engpässen komme, würde das BBK die jeweils betroffenen Bereiche beraten, was genau zu veranlassen sei, und gegebenenfalls mit Ressourcen unterstützen. Mögliche Personalausfälle in größerem Ausmaß müssten „personell kompensiert“ werden – „und das wird vorgedacht“, so der Sprecher. In den Energieunternehmen wie etwa bei Uniper werden bereits wieder Schichten separiert, damit bei einem Omikron-Ausbruch in einer Schicht die andere Schicht einspringen kann. Beim Energiekonzern Eon waren zu Beginn der Pandemie Mitarbeiter in ausländischen Kraftwerken teilweise auch in den Werken für Wochen kaserniert worden, um die Versorgung zu sichern.

Wird die Maskenpflicht verschärft?

Angesichts der raschen Ausbreitung der Omikron-Variante fordert der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein, Frank Bergmann, eine Verschärfung der Maskenpflicht in Bus und Bahnen. „Bei einer hoch ansteckenden Virusvariante wie derzeit Omikron sind zum einen Hygiene- und Abstandsregeln im Alltag in jedem Fall weiterhin umfänglich geboten. Da im ÖPNV diese Regeln oftmals nur schwer einzuhalten sind, sollte das Tragen von FFP2-Masken im ÖPNV derzeit verpflichtend sein“, sagte Bergmann. Der KV-Chef mahnte: „ Einfache und auch nur nachlässig getragene OP-Masken bieten oftmals keinen wirklichen Schutz. Darüberhinaus ist die Impfung - vor allem auch die Booster-Impfung – nach wie vor die beste Prophylaxe. Die Politik wäre daher gut beraten, hier vielfältige Anreize zu setzen.“

Was sagen die Kultusminister, die ebenfalls getagt haben?

Diese bleiben bei ihrer Linie, dass Schulen in der aktuellen Corona-Lage offengehalten werden sollen. „Auch wenn sich die Pandemie durch eine neue Virusvariante verändert, müssen wir die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen noch stärker in den Blick nehmen. Das bedeutet, dass wir die Schulen erst dann schließen, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind“, sagte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Karin Prien (CDU), nach einer Sonderschalte der Minister. Die Kinder- und Jugendpsychiater hoben die wichtige Rolle der Schule hervor, um die Pandemiefolgen für Kinder abzufedern. Der Umgang der Schule mit der Corona-Situation sei „sehr entscheidend“ für Kinder. „Wenn nur auf die Leistung geschaut wird und der Leistungsdruck sogar erhöht wird, setzt man auf die ohnehin schwierige Situation noch einen großen Stressfaktor oben drauf. Auch in der Schule sollte das allgemeine Aufwachsen der Kinder nicht aus dem Blick verloren werden“, sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP), Michael Kölch, unserer Redaktion.

(mün, anh)
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