Die Arbeit der verdeckten Ermittler: Kampf gegen Kinderpornos

Die Arbeit der verdeckten Ermittler : Kampf gegen Kinderpornos

Düsseldorf (RP). Im Landeskriminalamt NRW fahndet das Dezernat zur Bekämpfung des Organisierten Verbrechens nicht nur nach Waffenschiebern und der Drogenmafia. Verdeckte Ermittler schleusen sich auch in die Kreise von Kinderschändern ein, die mit den Opfern ihres Missbrauchs Millionen verdienen.

Im Landeskriminalamt gibt es eine Asservatenkammer, die besser geschützt ist als jeder andere Bereich der Polizei. Dort lagert das Beweismaterial der ZAST, der Zentralen Auswertestelle Kinderpornografie für Nordrhein-Westfalen. Eine Sammlung perverser Spiele mit Kinderseelen, eine Dokumentation grausamer Misshandlungen kleiner Menschen, die selten älter als elf Jahre sind.

In der ZAST werden Bilder und Videos analysiert, wird geprüft, ob das Material am Computer gebastelt ist oder eine echte Misshandlung zeigt, werden Durchsuchungsaktionen bei mutmaßlichen Kinderschändern koordiniert. Die Ermittlungsverfahren gehen in der Regel von den Polizeibehörden im Land aus. Bei besonders schweren Fällen werden die Ermittler des LKA selbst tätig. Genauer: die Fahnder des Dezernats "Organisierte Kriminalität". Leiter Roland Wolff: "Hinter den besonders gravierenden Fällen von Kindesmissbrauch steckt meist eine strukturierte Organisation. Deshalb ist das bei uns richtig angesiedelt."

Ihnen geht es nicht um einzelne Pädophile, die verbotene Bilder aus dem Internet herunterladen. Was vielen nicht klar ist: Hinter pornografischen Fotos und Filmen von Kindern steckt immer Missbrauch. Denn irgendwann ist irgendwo ein Kind vor einer Kamera dafür geschändet worden. Sexueller Missbrauch innerhalb der Familie endet meist, sobald er angezeigt wird. "Diese Fälle sind schnell geklärt. Unsere werden von niemandem angezeigt", sagt Wolff. Schon gar nicht von den kleinen Opfern oder deren Eltern. Die, sagt Wolff, wissen in der Regel am wenigsten.

Die Opfer, mit denen das LKA zu tun hat, sind keine privilegierten Kinder. Sie sind Jungen und Mädchen, meist zwischen fünf und elf Jahren alt, aus zerrütteten Familien, zumindest aber aus sozialschwachem Umfeld. Nicht selten sind die Täter die einzigen, von denen diese Kinder Aufmerksamkeit bekommen. "Beim Täter genießen sie außerdem Freiheiten, die sie zuhause nicht haben. Das kann stundenlanges Fernsehen sein, eine Playstation, aber auch Süßigkeiten oder Geld."

Ist die Polizei den Tätern auf der Spur, sind es diese Kinder, die versuchen, die Täter zu schützen. Wolff erinnert sich an eine Siebenjährige, die sich in der Befragung verhielt "wie ein abgebrühter Schwerverbrecher. Sie schwieg und log und räumte immer nur ein, was wir tatsächlich beweisen konnten."

Auch die Vernehmung von Tatverdächtigen bringt die Polizisten an ihre Grenzen. "Wenn ein Mann von 47 Jahren da sitzt und uns allen Ernstes erzählt, eine Sechsjährige habe ihn verführt -das ist schon schwer erträglich", sagt Wolff.

Sie müssen nicht nur grauenhafte Sachen sehen. Sie müssen sich auch furchtbare Dinge anhören. Erwachsene Männer, die bis zu 20 kleine Kinder untereinander austauschen wie Waren, ihnen jede Würde nehmen, sich an ihnen vergehen und sie dabei filmen und fotografieren - und die dann immer wieder dasselbe behaupten: "Ich liebe Kinder" - "Achtjährige haben ein Recht auf Sex" - "Es war immer alles freiwillig". Die Polizeiarbeit in diesem Deliktfeld, das Wolff "das schwerste der Welt" nennt, erfordert enormes Engagement von den Ermittlern. Manchmal brauchen sie dabei selbst Unterstützung. "Jemanden, der auf so etwas nicht emotional reagiert, würde ich auch gar nicht im Team haben wollen", sagt Wolff.

Es sind vor allem Männer, die von den Fahndern überführt werden. Nicht selten Familienväter, oft gut situierte, meist gebildete Männer. "Es braucht ein gewisses Maß an Intelligenz, um unentdeckt zu bleiben und Zugang zu den gut getarnten Kreisen zu bekommen, in denen mit Kindern und Kinderpornografie gehandelt wird", so Wolff.

Nicht alle, die selbst Kinder haben, missbrauchen auch die eigenen Söhne und Töchter. "Viele sind sozial engagiert, organisieren Kinderfreizeiten, arbeiten im Sportverein." Die meisten dieser Täter haben kein normales Sexualleben, die wenigsten sind gewalttätig. "Die Opfer werden spielerisch an den Missbrauch herangeführt."

Polizisten sind misstrauischer als andere Menschen. Doch auch, wenn Wolff das berücksichtigt, findet er die Naivität mancher Eltern "einfach nur erschreckend". Da gibt es Kinder, die jeden Tag das Meerschweinchen des alleinstehenden Nachbarn in mittleren Jahren besuchen. "Und niemand wundert sich, warum der Mann nichts anderes zu tun hat, als sich mit fremden Kindern zu beschäftigen. Keiner fragt, was er mit ihnen tut." Meist sind es Männer, die schon zu langjährigen Haftstrafen verurteilt sind, die dem LKA einen Hinweise geben.

Es sind keine schnellen Überprüfungen, sondern aufwändige Verfahren. Verdeckte Ermittler schleusen sich in die Kinderporno-Kreise ein, sichern Beweise, sammeln Material. "Manchmal muss man abwägen zwischen der Gefahrenabwehr und der Strafverfolgung", sagt Wolff. Aber niemals würde ein Polizist so weit gehen, einen Missbrauch mit anzusehen. "Sobald wir wissen, wer ein Opfer ist, entziehen wir es dem Täter." Notfalls mit einer Legende, so dass nicht einmal das Opfer merkt, dass es gerade von der Polizei in Sicherheit gebracht wird.

(Rheinische Post)
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