Junge Union will Verfahren für K-Frage schnell festlegen

Streit um Kanzlerkandidatur in der CDU : Junge Union will Verfahren zur K-Frage rasch entscheiden

Der Unmut über CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer ruft nun ihre Unterstützer auf den Plan. Die Kritik an ihr sei unfair, sagen Vertreter des Wirtschafts- und Sozialflügels. Die Junge Union pocht auf eine rasche Festlegung zum Verfahren für die Kanzlerkandidatur.

Die anhaltende Kritik an CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer aus den eigenen Reihen hat nun auch mehrere Unterstützer auf den Plan gerufen. Die Vorsitzenden des Wirtschafts- und Arbeitnehmerflügels der CDU, der Bundestagsabgeordnete Carsten Linnemann und NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann, stärken der Vorsitzenden den Rücken  und lehnen eine Debatte über die Kanzlerkandidatur ab.

„Die Kritik an der Parteivorsitzenden ist unfair“, sagte Linnemann unserer Redaktion. Die Kanzlerkandidatenfrage müsse man erst beantworten, wenn Wahlen bevorstehen. „Nicht jetzt. Die SPD zeigt eindrucksvoll was passiert, wenn Personal- statt Sachfragen im Mittelpunkt stehen: Die Marginalisierung einer großen Volkspartei“, mahnte Linnemann. Der aus dem Sauerland stammende Chef der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung von CDU und CSU fügte hinzu, Kramp-Karrenbauer müsse in wenigen Monaten aufholen, was jahrelang versäumt wurde: der CDU ein eigenes klares inhaltliches Profil zu geben. „Frau Kramp-Karrenbauer macht das sehr gut, sie bindet die verschiedenen Teile der Partei ein und lässt unterschiedliche Positionen zu, damit wir dann gemeinsam zur besten Lösung finden“, so Linnemann.

Auch NRW-Minister Karl-Josef Laumann, Vorsitzender der christlich-demokratischen Arbeitnehmerschaft, stellt sich hinter Kramp-Karrenbauer: „Sie macht alles in allem einen klasse Job.“ Sie habe die Führung der CDU in einer nicht ganz einfachen Situation übernommen und sorge dafür, dass sich alle Flügel der Partei wahr- und mitgenommen fühlten. „Ich bin sehr zufrieden“, sagte Laumann.

Der einflussreiche Vorsitzende der Jungen Union, Tilman Kuban, forderte hingegen eine rasche Festlegung auf das Verfahren zur Kanzlerkandidatur. „Wir sollten bald Klarheit darüber gewinnen, wie wir die Frage der Kanzlerkandidatur angehen und vor allem entscheiden wollen. Falls die SPD aus der GroKo aussteigt, kann das alles sehr schnell gehen“, sagte Kuban. Man müsse vorbereitet sein. „Die Union darf sich dann nicht treiben lassen, sondern muss Taktgeber sein. Wir sollten das jetzt innerhalb der Partei besprechen.“ Neben der Parteivorsitzenden sollten sich führende Köpfe wie die stellvertretenden Parteichefs Armin Laschet und Volker Bouffier zu einem gemeinsamen Fahrplan mit der CSU einbringen, so Kuban. „Das wir das als CDU können, haben wir in den Regionalkonferenzen mit Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz und Jens Spahn bewiesen. Das war ein Festival der innerparteilichen Demokratie.“

Die Vorsitzende der Frauen-Union, Annette Widmann-Mauz, eine enge Vertraute von Parteichefin Kramp-Karrenbauer, sprach sich gegen eine vorgezogene Kanzlerkandidatenkür aus: „Die CDU hat einen klaren Fahrplan vereinbart, der unverändert Gültigkeit hat“. Kramp-Karrenbauer hatte selbst darauf verwiesen, dass sie erst Ende 2020 einen Vorschlag zur Kanzlerkandidatur machen wolle.

Die Kritik an der CDU-Chefin war wegen einiger Kommunikationspannen und der schlechten Umfragewerte in den vergangenen Wochen lauter geworden. Vor allem der konservative Flügel ist unzufrieden. „AKK hat sich leider von ihren guten Ansätzen, der Partei wieder ein klares Profil zu geben, etwa mit dem Werkstattgespräch Migration, abbringen lassen und dadurch viele Erwartungen enttäuscht“, sagt Alexander Mitsch, Chef der Werteunion. „Die CDU wird zwischen den Grünen und der AfD zerrieben, wenn die Politikwende jetzt nicht schnell gelingt. Deshalb muss sie jetzt ein klares Signal gegen ein ,weiter so’ senden.“ Ein solches könnte etwa die Festlegung auf eine Urwahl des Kanzlerkandidaten sein, so Mitsch. „Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die CDU mit AKK als Parteivorsitzender und Friedrich Merz als Kanzlerkandidaten einen sehr starken Auftritt hinlegen würde.“ Merz, ehemaliger Kandidat für den CDU-Vorsitz hat seine Ambitionen für die Kanzlerkandidatur offen gehalten. Merz rechnet damit, dass Ende des Jahres die große Koalition auseinander bricht. Am Montagabend treten beide Politiker beim traditionellen Ständehaus-Treff in Düsseldorf auf, einer Veranstaltung der Rheinische Post Mediengruppe. Die Veranstaltung ist seit Wochen ausverkauft.

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