Junge Union: Die neue Führung: Jünger, männlicher, westlicher

Deutschlandtag des CDU/CSU-Nachwuchses : Die neue JU-Führung: jünger, männlicher, westlicher

Die neue Führungsriege der Jungen Union ist jünger, männlicher und westlicher als der bisherige Bundesvorstand der 117.000 Mitglieder zählenden Nachwuchsorganisation. Der Frauenanteil sank von 32 auf 23 Prozent.

An der Spitze bleibt ein NRW-Politiker. Nach monatelangem Wahlkampf kreuz und quer durch die Landesverbände setzte sich der 29-jährige Iserlohner Paul Ziemiak beim Deutschlandtag in Inzell klar mit 63:37 Prozent gegen den in Berlin wohnenden und für Niedersachsen antretenden 31-jährigen Benedict Pöttering durch.

Ziemiak folgt auf Philipp Mißfelder, der die Junge Union zwölf Jahre lang geführt und damit einen Rekordwert erreicht hatte. Der 35-Jährige konnte wegen Erreichens der Altersgrenze nicht erneut kandidieren. Er will sich nun auf seine Ämter als Schatzmeister des NRW-Landesverbandes und Teil des "auf Angriff" spielenden Teams um CDU-NRW-Chef Armin Laschet sowie als außenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion konzentrieren.

Freilich muss er sich am nächsten Dienstag erst einer Wahl stellen. Vor allem seine unabgesprochene Russland-Fahrt an der Seite von Ex-SPD-Kanzler Gerhard Schröder zu einem Empfang mit Russlands Präsident Wladimir Putin hatte mitten in der Ukraine-Krise lautstarkes Missfallen in der Fraktion ausgelöst. Es gebe jedoch "Signale", dass er mit einer Wiederwahl rechnen könne, sagte Mißfelder.

Nordrhein-Westfalen wird im 22-köpfigen JU-Bundesvorstand außer durch Ziemiak durch Marcel Grathwohl, Andrea Müller (beide aus Köln) und Martin Plum aus Dülken vertreten. Auch Rheinland-Pfalz erstmals wieder ein Vorstandsmitglied: Frank Müller aus Mettendorf fuhr mit einer Zustimmung von 82,8 Prozent sogar eines der besten Ergebnisse ein.

Die engere Führung bilden mit Ziemiak seine Stellvertreter Katrin Albsteiger (30) aus Bayern, Ansgar Focke (32) aus Niedersachsen, Roland Mittmann (31) aus Hessen und Christian Natterer (33) aus Baden-Württemberg. Während die Männer zwischen 78 und 83 Prozent Zustimmung erhielten, kam Albsteiger nur auf 66,8 Prozent der Stimmen. Sie war zuvor als bayerische JU-Landesvorsitzende abgelöst worden.

Neuer Schatzmeister ist Lukas Krieger (26) aus Berlin. Er folgte auf Ansgar Focke. Nach dem Scheitern von Pötterings Kandidatur hatte der Deutschlandtag darauf geachtet, dass Niedersachsen gleichwohl an prominenter Stelle dabei bleibt und Focke zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Diese Position hatte Pöttering zuvor inne.

Die Zahl der weiblichen Vorstandsmitglieder sank von sieben auf fünf, der Frauenanteil damit von 32 auf 23 Prozent. Saßen bislang vier junge Leute aus den neuen Bundesländern im Bundesvorstand, so sind es nun nur noch drei. Der scheidende Vorsitzende hatte bereits auf das bedenkliche Ungleichgewicht zwischen Ost- und Westländern bei der Mitgliedschaft hingewiesen. Lediglich 6000 der 117.000 JUler engagieren sich in den neuen Ländern. Westliche Kreisverbände sind größer als östliche Landesverbände.

Durch die Neuwahlen sinkt das Durchschnittsalter im Bundesvorstand von 30,9 auf 29,6 Jahren, neun Spitzenrepräsentanten sind jünger als 30. Bayern und NRW stellen je vier Vorstandsmitglieder, Baden-Württemberg, Hessen und Niedersachsen je zwei, alle anderen sind mit einem Mitglied im Vorstand vertreten.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Paul Ziemiak

(may)
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