Junge Frauen wählen vor allem die Grünen

Amtliche Wahlstatistik : Jung + weiblich = grün

Nach der amtlichen Statistik haben die Alten die Europawahl entschieden. Viele junge Wahlberechtigte handelten nach dem Brext-Effekt.

Wenn nur die jungen Frauen in NRW über das politische Schicksal der Republik zu entscheiden hätten, bräuchten die Grünen dringend einen Kanzlerkandidaten. 44 Prozent der 18- bis 24-jährigen Wählerinnen machten ihr Kreuz bei den Grünen. Die anderen rangierten bei ihnen unter ferner liefen: 10,9 Prozent für die SPD, 10,5 für die CDU, 6,6 für die Linke, 6,5 für die FDP und nur 3,1 Prozent für die AfD.

Diese Zahlen und viele mehr, die Bundeswahlleiter Georg Thiel nun aufbereitet hat, sind deswegen so interessant, weil es sich nicht um Befragungen von Wählern durch Demoskopen handelt, die dabei nicht immer die Wahrheit erfahren. Sondern es ist die Auswertung markierter Stimmzettel in repräsentativen Stimmbezirken, die getrennt nach Altersgruppen und Geschlecht die Original-Wahlentscheidung sichtbar machen.

Danach sind die jungen Frauen in NRW die Ausreißer in die eine Richtung, die alten Männer in NRW die Ausnahme in die andere: Bei den 70-Jährigen und Älteren bekamen die CDU 45 Prozent, die SPD 28, die AfD 8,6, die Grünen 8,4, die FDP 5,5 und die Linken 2,4 Prozent. Doch wichtig an diesem Vergleich ist: Die Alten haben viel mehr Gewicht. Es gab in den genannten Altersgruppen in NRW 302.000 junge Wählerinnen, aber 788.000 alte Wähler.

Dieser Trend gilt für das gesamte Bundesgebiet, und er bestätigt für die Europawahl, was auch hinter dem Schicksal der Briten in Sachen Brexit steht: Die Jungen sind von den politischen Entscheidungen viel mehr und länger betroffen, aber sie überlassen den Alten mehr Entscheidungsraum, als ihnen ohnehin schon zusteht. Konkret gab es 25,8 Millionen Wahlberechtigte bis 59 Jahre und 35,7 Millionen Wahlberechtigte ab 60. Bei denen, die tatsächlich zur Wahl gingen, war das Verhältnis auf 14,6 zu 23,1 Millionen gewachsen. Die unter 50-Jährigen stellten zwar 42 Prozent der Wahlberechtigten, aber nur noch 38 Prozent der Wähler. Die höchste Wahlbeteiligung gab es mit 68,4 Prozent bei den Männern ab 70, die geringste mit 52,8 Prozent bei den Männern zwischen 25 und 29 Jahren.

Und was waren die Hauptmotive für die Wahlentscheidung? Angesichts der starken Stimmenzuwächse für die Grünen ist das Ergebnis einer ergänzenden repräsentativen, EU-weiten Befragung für Deutschland nicht überraschend: 51 Prozent gaben die Bekämpfung des Klimawandels als Beweggrund an, auf Platz zwei stehen Demokratie und EU-Unterstützung (42 Prozent), darauf folgen Einwanderung (39) und Wirtschaft (36 Prozent). EU-weit sah die Motivlage anders aus. Hier bildeten Wirtschaft (44), Klima (37), Demokratie (37), Europa (36) und Einwanderung (34 Prozent) die Top-Fünf-Motive. In 17 Ländern standen Wirtschaft und Wachstum an erster Stelle, in acht der Klimaschutz.